Folge 158 – In geheimer Mission

Die Folge 158 hält zwei Überraschungen parat. Die erste schon, bevor das Heft aufgeschlagen wird: Es gibt ein neues Cover-Design.

Bislang hatten alle Lurchihefte – ausgenommen die Minibücher in den Jahren 2000/01 – eine mehr oder weniger große grüne Fläche auf dem Titel. Das eigentliche Titelbild wurde bis zum Anfang der 70er Jahre klein auf diese Fläche gesetzt, gerahmt von einer wolkigen Form. Später wechselten die Formen und wurden schließlich viereckig. Seit 2002 nahm die Titelzeichnung etwa die unteren zwei Drittel der Titelseite ein.

Zukünftig geht die Zeichnung ohne Begrenzung (also formatfüllend) unter dem Schriftzug Lurchis Abenteuer weiter und ist dadurch größer.

Lurchis Abenteuer 158, In geheimer Mission: Die neue Titelgestaltung. Im Vergleich dazu die vorige Folge.

Im Innenteil kommt dann die zweite Überraschung: Die Schreibschrift ist einer Druckschrift gewichen. Eine Änderung der Schrift war überfällig, denn die in den Heften bislang verwendete Schreibschrift wird an den Schulen kaum noch gelehrt. Die beiden Schulschreibschriften, die in Frage kamen, konnten jedoch weder das Team von Salamander noch mich visuell überzeugen.

Schriftproben: Oben die beiden in Frage kommenden Schulschriften, unten die bisherige Schreibschrift in den Heften, rechts das Lurchilogo.

Bei beiden Schriften wurden die Großbuchstaben von den Schriftdesignern den gedruckten Großbuchstaben angenähert. Das große L hat seine Schlaufen und damit sein Volumen verloren, und steht nun vereinzelt da wie ein dürrer Halm – mit großem Abstand zum nächsten Buchstaben. Problematisch bei diesen Schriften ist für uns vom Lurchi-Team natürlich auch, dass Lurchis Name im Lauftext stark von dem Logo abweichen würde, das natürlich nicht geändert werden soll. Wenn mir die neuen Schulschreibschriften optisch sehr unausgeglichen vorkommen, so bezweifele ich jedoch nicht, dass sie für das Schreiben-lernen vielleicht geeigneter sind, weil der Schreibende z. B. seltener neu ansetzen muss etc. Nur die Eignung für die Lurchihefte scheint mir nicht gegeben.

Jedenfalls: „Die Würfel sind gefallen“, wie Kaiser Unkerus (siehe Folge 157) sagen würde – und zwar für eine schlichte Druckschrift.

Was die Story angeht, handelt es sich bei Folge 158, In geheimer Mission, um eine Agentengeschichte. Lurchi und seine Freunde lernen in der Bahn einen Agenten kennen, der von den Spionen Reißzahn und Katzbuckel verfolgt wird.

Der Agent erzählt den Freunden seine Geschichte, links Skizze, rechts Reinzeichnung

Mehr soll hier nicht verraten werden. Nur noch ein kleiner Hinweis für Cineasten und solche, die es werden wollen: Eins der Bilder ist eine Hommage an einen berühmten Filmregisseur, der mehrere Agententhriller gedreht hat und in seinen Filmen meist einen Kurzauftritt hatte. Einen solchen Cameoauftritt hat er deshalb auch in dieser Lurchifolge:

Der Vergleich der Skizze mit dem fertigen Bild zeigt, dass ich in der Skizzenphase noch unschlüssig war, welche Tiere ich für die Passanten wählen sollte. Die Wahlmöglichkeiten stellen ein interessantes Problem dar:

Passend zum Lurchikosmos wären natürlich vor allem Kleinsttiere, mäuseartige und Amphibien, sowie die Fressfeinde dieser Tiere als Widersacher der Freunde. Deshalb ist der Spion Katzbuckel z. B. als Kater dargestellt.

Aber obwohl es fast unzählige verschiedene Kleinsttiere gibt, eignen sich doch nur wenige für den Auftritt in einer Tierfabel, denn in einer solchen Fabel sollten die Tiere möglichst menschliche Charaktereigenschaften verkörpern oder sonst einen menschlichen Anklang haben. Für die Nebenfiguren habe ich hier Tiere eines Bauernhofs gewählt – Schaf, Schwein und Kuh –, obwohl diese in der Realität von den Größenproportionen her schlecht zu den kleinen Tierarten der Freunde passen. Den enormen Größenunterschied zwischen einer Kuh und einem Frosch kann ein Comiczeichner zum Glück nivellieren.

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Wie eine Comiczeichnung entsteht:

Für Freunde der Zeichenkunst habe ich das Titelbild in unterschiedlichen Phasen der Entstehung gescannt.

Oben ist die Skizze in Bleistift zu sehen, die ich detailreicher als nötig anlege, da ich mir nicht nur über die Bildkomposition Klarheit verschaffen will. Die Skizze dient auch der Abstimmung mit Salamander.

Weiter geht’s auf einem neuen Zeichenkarton (Mitte), wieder mit Bleistift. Im Gegensatz zur Skizze diesmal mit einem harten Bleistift, denn es ist die zarte Vorzeichnung für die späteren Tuschelinien. Die Striche sind etwas „faserig“, denn jetzt suche ich nach der richtigen Lage der Linien. Eine winzige Abweichung vom Optimum (welches natürlich nur ganz subjektiv empfunden wird) kann für mein Gefühl eine Zeichnung bereits verderben. In dieser Phase kommt das Radiergummi reichlich zum Einsatz. Manche Stellen werden mehrfach neu gezeichnet.

Beim Vergleich der Vorzeichnung mit der Skizze lohnt sich ein genauerer Blick auf den Kater. Dass ich seinen Unterkiefer etwas kastenförmig anlegen wollte, um ihn grobschlächtiger aussehen zu lassen, ist schon in der Skizze angedeutet, wurde aber in der Vorzeichnung deutlich verfeinert. Nun ist die Kontur durch winzige Haarbüschel bereichert. Der Mund ist tiefergelegt, die Nase höher und kleiner. So wirkt der Kater mürrischer. Das gleiche leisten die kleineren Augen, die betonten Falten unter den Augen, die graderen Barthaare und die vier Bartstoppeln.

Abschließend ziehe ich mit einem sehr feinen Pinsel die Linien mit schwarzer Tusche nach. Einen Pinsel benutze ich, da mit diesem Instrument besonders locker wirkende Linien erzeugt werden können, während man über die Strichstärke (das An- und Abschwellen der Linien) sehr genaue Kontrolle hat – genauere als mit einer Zeichenfeder oder einem Filzstift. So ist zumindest meine Erfahrung. Ein Meister mit der Zeichenfeder mag das vielleicht andersherum beurteilen.

Die Voraussetzung für eine gute schwungvolle Pinselzeichnung ist natürlich ein sehr ruhiges Händchen, viel Routine und … Sitzfleisch. Als ich vor Jahrzehnten begann, mit dem Pinsel zu zeichnen, hat es etwa drei Jahre gedauert, bis ich ganz glatte, zitterfreie Linien zu Papier bringen konnte. Die Vorzeichnung lege ich detailreich an, damit ich mich beim Tuschen nicht mehr um die korrekte Zeichnung der Figuren kümmern muss, sondern mich ganz auf die Hervorbringung „schöner“ Linien konzentrieren kann. Wie am Bild zu sehen, bin ich übrigens Linkshänder.

Abschließend wird die Zeichnung mit Lasurfarben angemalt (siehe die fertige Titelzeichnung ganz oben). In den Augen der meisten Betrachter ist die Kolorierung der wichtigste Schritt. Für mich ist sie nur Zutat. Der Pfiff einer Comiczeichnung liegt meiner Ansicht nach in dem mit äußerster Genauigkeit angelegten „lockeren“ Liniengefüge, wobei der Anschein einer leicht und unbekümmert hingeworfenen Zeichnung erweckt werden soll. Hierzu wird die Mühe in der Vorzeichnung versteckt.