Georg Nickel

Die Nachfolgezeichner 4 (1977 – 88)

Zum Beginn dieser Reihe: Die Nachfolgezeichner 1

Georg Nickel übernimmt 1977 die Heftserie Lurchis Abenteuer von seinem Vater Friedrich Johann Nickel. Er zeichnet Lurchi zeitweilig im Wechsel mit Peter Krisp (Piiit Krisp), der ab 1979 Lurchifolgen gestaltet.

Wie seine Vorgänger schickt auch Georg Nickel Lurchi und seine Freunde auf Reisen, vor allem aber auf eine Odyssee der Stilrichtungen. Betrachtet man Nickels Hefte, könnte man glauben, dass sie von unterschiedlicher Hand stammen.

Die ersten und letzten Etappen dieser grafischen Odyssee könnten nicht unterschiedlicher sein. In seinem vorletzten Heft (Folge 95) kombiniert Nickel verschiedene Strukturen: Kreuzschraffuren (Hut des Wichtelmännchens), punktierte Flächen (Bauch), Parallelschraffuren (Hintergrund) und rein aquarellierte Flächen (Boden).

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Lurchis Abenteuer 95: Lurchi und die grauen Wichtelmännchen

Wie ungewöhnlich solche Strukturen in Comics und Bildergeschichten sind, erkennt man, wenn Nickel sie auch bei der Hauptfigur einsetzt. Schraffuren und punktierte Flächen scheinen mir wenig geeignet zu sein, um Lurchi und ähnliche Figuren zu schattieren: Sie wirken auf Lurchi wie ein Fremdkörper. (Überhaupt gab es – soweit ich das übersehen kann – vor Nickel keine Schraffuren in Lurchis Abenteuern.  Piiit Krisp setzte sie zeitgleich mit Nickel sparsam im Hintergrund ein und ich selbst mache mitunter aus einem Faible für alte Stiche Gebrauch davon.)

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Lurchi von Georg Nickel durch Schraffuren (linkes Bild) und Punkte (rechtes Bild, am Auge) schattiert.

Nickel startet mit einem ganz anderen Stil in die Heftserie: In seinem 2. Heft (Folge 65) findet man z. B. im Grunde gar keine Schraffuren, im Hintergrund noch nicht einmal schwarze Konturen.

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Lurchis Abenteuer 65: Lurchi und die Riesenameisen

Die konturierten Figuren bilden zu den rein gemalten Hintergründen einen Stilbruch. Das mag dem Zeichner auch aufgefallen sein. Und so vereinheitlicht Georg Nickel bald seinen Stil, indem er konsequent alles mit Konturen versieht.

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Lurchis Abenteuer 73: Lurchi und der Adler

Der Zeichner schreibt die Texte zu den Heften selbst und denkt sich somit auch die Geschichten aus. Sehr putzig ist seine Schneckenfamilie aus Heft 73, die vor dem Auto der Freunde in Deckung geht.

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Die Schneckenfamilie aus Folge 73

Wenige Folgen später gibt es grafisch eine neue Variation: Der Strich ist deutlich dünner geworden. Georg Nickel benutzt hier offensichtlich einen anderen Stift. Unten links im Bild versucht sich der Zeichner als Impressionist. Die Spiegelung der Brücke erinnert an die „farbigen“ Schatten impressionistischer Bilder. In den Storys bleibt Nickel abenteuerlich und märchenhaft. Die von einem Hamsterrad angetriebene Lokomotive dürfte sehr anregend für die Phantasie der Kinder sein.

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Lurchis Abenteuer 77: Lurchi baut eine Eisenbahnstrecke

Nickels Heft 79 ist wieder ein neues grafisches Experiment: Er arbeitet mit großen ruhigen Flächen und geraden Linien. Die Farbgebung, in der ein Lehmgrau dominiert, ist sehr gedeckt. Das Experiment hat keine Folgen. Drei Hefte weiter, in Folge 89 (die anderen Hefte zeichnet Krisp), präsentiert Nickel wieder eine Burg, die aber zeichnerisch erneut ganz anders gestaltet ist (man vergleiche z. B. auf beiden Bildern die Darstellung des Mauerwerks und der Dachpfannen).

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Die Burgen aus den Folgen 79 und 89 im Vergleich

Es geht also ordentlich hin und her mit Lurchi und seinen Freunden unter Nickels Regie. Zudem zeichnet er ab 1979 im Wechsel mit Piiit Krisp, der seinen eigenen Stil pflegt. So schwangt Lurchis Erscheinungsbild in dieser Phase teilweise von Folge zu Folge. Georg Nickels Hefte sind in den Sammelbänden 4 und 5 zu finden.

Zum 5. Teil dieser Reihe über die Nachfolgezeichner: Piiit Krisp