Homer im Grimmschen Märchenwald

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Wie der letzte Beitrag gezeigt hat, können Tiere beim Lurchizeichner Heinz Schubel in dreifacher Weise erscheinen: als natürliches Tier, als Ersatz für ein anderes Tier und vermenschlicht. Der Eule begegnen wir in Schubels Heften sowohl in vermenschlichter als auch in natürlicher Form. Obwohl sie sich für eine weise Figur eignen würde, stellt Schubel sie gern böse dar. Maßgeblich hierfür ist sicherlich, dass sie der Fressfeind von Mäusepiep ist.

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Die Eule als Mensch und Tier: Folge 9 und Folge 19

Die Rolle als böse Hexe nimmt eine Eule auch in Folge 32 ein. Eine Folge, die eine weitere Besonderheit der alten Lurchihefte zeigt: In diesen Tiergeschichten tauchen auch Menschen auf. Der Eule, Hexe Schleppegrell, ist der Zauberer Archibald an die Seite gestellt. Ein Mensch, aber kaum größer als der Feuersalamander Lurchi. Der Umgang mit den Größenproportionen bleibt sehr frei.

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Sehr frei ist auch das Konzept: Eigentlich würde man an der Seite eines menschlichen Zauberers auch eine menschliche Hexe erwarten, oder neben der Eule auch eine Tierfigur als Zauberer. Über diese Erwartungen setzt sich Schubel einfach hinweg.

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An anderer Stelle ist die Folge dafür umso stringenter. Dass es in dieser Geschichte sehr märchenhaft zugehen wird, macht der Zeichner gleich zu Beginn durch die Darstellung der Natur klar. Im Gegensatz zu anderen Lurchiheften sind hier auch die Bäume, Pilze und Steine des Zauberwaldes durch Gesichter vermenschlicht und damit aus ihrer natürlichen Existenz herausgehoben.

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Heinz Schubel, der die Folge auch getextet hat, macht Anleihen bei einem Klassiker der Weltliteratur, bei Homers Odyssee. Die Zauberin Kirke verwandelt die Gefährten des Odysseus in Schweine. Hier ist allerdings Archibalds Zauberei für die Verwandlung von Lurchis Freunden verantwortlich. Die Hexe Schleppegrell schnappt sich nur die Schuhe.

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Märchenthemen kommen in den späten Schubelheften oft vor, diese Folge ist jedoch für ein Lurchiheft ganz ungewöhnlich und fast surreal gestaltet: Um eine unwirkliche Atmosphäre zu erzeugen ist der Himmel in ockergelb gehalten. (Einen ähnlichen Kunstgriff wendet Schubel in Folge 42 an. Dort ist der Himmel der Märchenwelt knallgelb.) Doch zurück zum Heft 32 mit Archibald und Schleppegrell. Über eine Regenbogenbrücke (nach den griechischen Sagen nun auch noch die nordischen: die Regenbogenbrücke Bifröst) geht es hinein in Archibalds Wolkenschloss.

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Hier nutzt Schubel die Möglichkeit des split panels: Regenbogen und Wolke ragen über die Bildbegrenzung hinaus ins andere Bild hinein. Im Wolkenschloss müssen die Freunde eine weitere Verwandlung über sich ergehen lassen. Archibald verzaubert sie in Raben. Vielleicht eine Anleihe bei einem anderen Stück Weltliteratur: Grimms Märchen Die sieben Raben.

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Den Ausflug in die Märchenwelt büßt Schubel in der nächsten Geschichte ab: Statt nach oben, in Luftschlösser, geht es in die Tiefe, in unterirdische Gänge, statt Zauberei wird nun die Wissenschaft bemüht: Die Freunde entdecken einen Abdruck von Ichthyostega, einem amphibischen Urtier, Bindeglied zwischen den Wasser- und den Landtieren, das von Wissenschaftlern gern als Beweis für die Evolutionstheorie herangezogen wird. In der Folge 33 muss Ichthyostega als prähistorischer Urahn von Lurchi herhalten.

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Den Abdruck von Ichthyostega entdeckt Lurchi vor einer in den schillernsten Farben gemalten Kulisse – in einer Tropfsteinhöhle. Lurchis Welt ist vor allem immer eins: sehr phantastisch.

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