Märchenwelten

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Zum Anfang der Reihe

In Lurchis Abenteuern, Geschichten, die eigentlich Tierfabeln sind, kommen oft auch Menschen vor, wie der letzte Beitrag zeigte. Wie steht es aber mit menschenähnlichen Geschöpfen, wie man sie aus Märchen und Sagen kennt, z. B. Zwergen?

In Folge 1 und 2 trifft Lurchi auf den Zwergenkönig und die Elfenkönigin. Folge 8 und 9 spielen erneut in einem märchenhaften Umfeld. Den König der Wichtel kutschiert Lurchi in seinem (damals modernen) Auto durch die Gegend.

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Pferdestärken gegen Heupferde. Mitten im Wirtschaftswunder (1953) wollte man sich nicht einfach in die „gute alte Zeit“ zurückträumen, sondern präsentierte den Wichtelmännchen stolz die Errungenschaften der aufblühenden Industrie.

Danach verschwinden die Märchensujets zunächst aus der Heftserie. Aktuelles drängt sich in den Vordergrund: Familie Salamander sieht sich auf dem großen Schwarzweiß-Fernseher ein Fußballspiel an, Lurchi startet in den Weltraum. Dazwischen ländliche Themen: Abenteuer an einer Wassermühle, in einem Weinberg. Aber keine ausgesprochenen Märchenthemen.

Der Jungbrunnen in Folge 23 verweist immerhin auf die Welt der Sagen und Legenden. Allerdings kommen in diesem Heft keine Sagen- oder Märchenfiguren vor.

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Dabei war den Autoren bei aller Fortschrittsfreude sicher klar, dass die Welt der Märchen den Kindern einiges zu bieten hat. Und so bauen Lurchi und seine Freunde in Heft 27 eine Burg auf. Damit es nicht zu beschaulich wird, nutzen sie große Baumaschinen: Kran und Bagger ermöglichen die Wiederkehr des Rittertums.

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Ab Heft 30 schreibt der Zeichner Heinz Schubel auch den Text. Der bisherige Texter Erwin Kühlewein ist Ende 1963 ausgeschieden. Jahreszeitlich etwas unpassend dreht sich Schubels erstes selbst getextetes Heft im Mai 64 um die Ernte. (Vielleicht ist das Heft schon Ende 63, zur Erntezeit entstanden?) Eine Windmühle wird kurzerhand zu einem „Jungbrunnen“ umfunktioniert. Das nächste Heft bringt Neptun und sein Gefolge. Und das folgende die Geschichte vom Zauberer Archibald und der Hexe Schleppegrell. Schubel hatte offensichtlich ein Faible für Sagen- und Märcheninhalte.

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Neptun und sein Gefolge in Folge 31

Hiernach holt Lurchi – wenn man die Heftserie der Reihe nach verfolgt – allerdings der Alltag wieder ein. Abenteuer im Wald und auf der Alm sind zu bestehen. Dazwischen Indianerspiel. Dann lockt die ferne Welt: Reisen nach Japan und Australien. Zurückgekehrt, wird der Karneval in Köln besucht.

Doch dann startet Schubel mit Heft 42 einen Märchenblock über vier Folgen, Geschichten, die er sich selbst auf den Leib geschneidert hat. Unter Lurchifans gilt, dass Schubels Texte mit Erwin Kühleweins nicht mithalten können. Darüber will ich mir kein Urteil erlauben. Er schreibt jetzt aber mit den „Augen“, legt Szenarien fest, die ihm danach nur so aus der Zeichenfeder fließen.

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Los geht es mit einem Sprung über die Wolken in ein Märchenland mit zitronengelbem Himmel. Dort haben sie ein Abenteuer mit einem furchterregenden Riesen, dem Schrat der Berge, zu bestehen. Dank eines Zauberwassers lassen sie ihn implodieren, eine explosive Zeichnung von Schubel.

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Heft 43 führt sie zu den Elfen. Dort kriegen sie es mit der Hexe Nimmersatt und einer Räuberbande zu tun. Die Hexe verwandelt ihre Helfer, die Räuber, in Katzen, was zur Bewährungsprobe für Mäusepiep wird.

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Die Hexe landet – ganz nach dem Muster eines Grimmschen Märchens – im Ofen … schießt aber zum Schornstein wieder heraus, einen Schweif wütender Katzen hinter sich herziehend. Diese Szene und auch der Schrat der Berge aus Heft 42 gehören zu meinen persönlichen Lurchi-Lieblingsszenen, siehe Best of Schubel.

Heft 44 besticht durch einen besonderen Bösewicht, der dem König Dickbauch, dem Herrscher des Zwergenlandes, auf recht ungewöhnliche Weise bei seinen Fußbeschwerden helfen will.

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Ein ungebremster Sturz und ein ungewollter Höhenflug dank Luftüberdruck sind die Folge. Schubel führt ungebremst seine Zeichenkunst vor.

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Heft 45 beginnt mit Kobolden, die bei Vollmond tanzen.

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Danach kommt die Story allerdings nicht richtig in Fahrt. Aus etwas unplausiblen Gründen wollen Lurchi und seine Freunde auf den Gipfel eines Vulkans steigen, um den dort hausenden Kratergeist unschädlich zu machen. Dessen Existenz und Boshaftigkeit wird völlig unvermittelt vom Oberkobold in die Geschichte eingebracht. Nach und nach finden alle Freunde, Lurchi ausgenommen, fadenscheinige Entschuldigungen, um zurückzubleiben. Diese in kleine Episoden zerfallende Erzählung ist die schwächste der vier Märchengeschichten. Doch die finale Szene mit Lurchi und dem Berggeist entschädigt visuell zur Genüge dafür, siehe ebenfalls Best of Schubel.

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