Peter (Piiit) Krisp

Die Nachfolgezeichner 5 (1979 – 94)

Zum Anfang dieser Artikelreihe: Die Nachfolgezeichner 1

Peter Krisp löst 1979 Georg Nickel nicht ab, nein, er zeichnet die Heftserie bis zur 96. Folge im Wechsel mit Nickel.

Krisp wandelt gar nicht erst auf Schubels Pfaden, sondern setzt von vornherein einen ganz anders gearteten Stil um. Ein Blick auf drei Pilzhäuser zeigt die Wandlung, die Lurchi unter Krisps Regie macht:

Heinz Schubel, der „gute alte Zeichner“, zeichnete seine Pilzhäuschen, wie man sie „im Bilderbuch“ und eben nicht im Comic erwarten würde (links – aus Folge 8, 1953). In Krisps ersten Heft, Folge 68, gibt es noch vage Anklänge an diesen Stil, zumindest handelt es sich nicht um eine comic-gemäße Stilisierung: er gibt Lurchis Pilzhaus wie im Naturkundebuch wieder, mit gespaltenem Hut, Lamellen … sogar die Haut auf dem Pilzhut ist durch eine Doppellinie definiert (Mitte). Eine naturkundliche Genauigkeit, die im Bereich Cartoon keinen Sinn ergibt und darum in späteren Heften einer stärkeren Vereinfachung und Abwandlung Platz macht: für Krisps Pilzhäuser in der Folge 85 stand der Comiczeichner Peyo, der Schöpfer der Schlümpfe, Pate (rechts).

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Pilzhausarchitektur im Vergleich: Links Schubel, Mitte und rechts Krisp

Der Sinn dieses Stils ist, alle Naturformen abzurunden und zu verfremden, bis sie „knuffig“ wirken. In Folge 76 sind bereits alle Elemente der Zeichnung in dieser Weise geliftet: Die Baumwurzeln z. B. sind wulstig wie ein Dickdarm. Alle Formen ploppen auf wie Popkorn. Die Erdschollen im Vordergrund sehen aus wie abgesägte alte Baumstümpfe: oben ganz platt, an den Seiten scheinen sie aus der Form zu quellen – kein krümeliger Mutterboden, sondern ein stark stilisiertes Erdreich, das man seiner Glätte wegen anfassen möchte. Dieser Aufploppeffekt macht auch vor Lurchi nicht halt. Der Feuersalamander verliert ganz den echsenhaft listigen Blick, den ihm Schubel mitunter verliehen hatte. Lurchis Augen schwellen unter Krisps Stift von Heft zu Heft an, bis er quasi eine Art gewölbte Kinderstirn hat, die bei uns – das wissen wir spätestens seit Bambi – den Brutpflegetrieb auslöst (was durch Lurchis vorspringende Schnauze jedoch nur bedingt gelingt).

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Heft 76 (1982), Lurchi bei den Maulwürfen oder auch Maulwurfs Umzug

Textlich stand Peter Krisp, der seine Hefte mit dem Künstlernamen Piiit Krisp signierte, Olav Sveistrup zur Seite. Sveistrup dichtet in Folge 81 sehr witzig: „Tief in der Höhle mit dem Gitter / haust Kunibert, der Krebsraubritter. Er lacht, denn seine Schergen kommen …“ Diese Bösewichte, Gelbbrandkäfer, die dem Krebsritter Beute zuführen, haben Piiit offensichtlich inspiriert. Er zeichnet sie als Käferschwarm, schwarze glänzende „Bohnen“, die die Bildkompositionen auffällig kreuz und quer durchschneiden und Unruhe in die Geschichte bringen.

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Heft 81 (1983), Lurchi und die Nixe

Falls sich Krisp überhaupt von Schubel hat anregen lassen, waren es dessen frühe Folgen. Auch in den Proportionen kehrt er teilweise zu Lurchis Frühzeit zurück. Schubel hatte Lurchi nur in wenigen ersten Folgen in der realen Größe eines Feuersalamanders gezeichnet. In Schubels späteren Heften reicht Lurchi einem Menschen bis an die Gürtellinie. Piiit ändert die Proportionen je nach Bedarf. Manchmal wirken die Figuren menschengroß (so z. B. der auf einen Baum gekletterte Hopps in Folge 107), aber oft sind sie gerade mal so lang wie ein Grashalm. In Folge 80 nutzt Lurchi einen Fingerhut als Ritterhelm und einen Kronenkorken als Schild.

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Die wandlungsfähigen Proportionen: Folge 107 (1992) und Folge 80 (1983)

Unter Schubel hatte Lurchi ordentlich auf den Putz gehauen und die Welt in Unordnung gebracht. Unter dem Duo Krisp/Sveistrup fällt ihm nun auch schon mal die entgegengesetzte Rolle zu. Er muss wilde Racker zur Räson bringen. In Folge 109 hütet er die zahlreichen Kinder von Frau Dachs, die nur auf dem ersten Bild so artig dastehen – solange ihr Mutter noch nicht fort ist. Danach geht alles drunter und drüber. Lurchi als Erzieher? Ist Lurchi bei Krisp überhaupt noch ein Kind? Unter Heinz Schubel war Lurchi ein Schulkind (Folge 5), spielte Ritter, fuhr aber auch Auto, flog Flugzeug … ein Lausebengel mit den Privilegien eines Erwachsenen. Zurück zur Frage: Ist Lurchi bei Krisp ein Kind? Die Folge 112 beantwortet dies mit nein. Seine Schwester hat in dieser Folge bereits zwei Kinder und Lurchi muss Onkelpflichten wahrnehmen.

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Lurchi als Erzieher, Schwester Trine als Mutter: Folge 109 (1993) und Folge 112 (1994)

Krisps Hefte sind in drei Sammelbänden zu finden: In den Bänden 4 und 5 zusammen mit Folgen von Georg Nickel und anderen Zeichnern. Der Sammelband 6 enthält ausschließlich Geschichten vom Duo Krisp/Sveistrup. (Salamander trennte sich 1988 nach der Folge 96 von Georg Nickel und Krisp betreute ab diesem Zeitpunkt als einziger Zeichner die Serie.)

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