Portrait

Ein Comiczeichner, fast gleichaltrig mit einem berühmten gallischen Krieger

Portrait von Dietwald Doblies

1962, drei Jahre nach dem ersten Erscheinen von Asterix, erblickte ich das Licht der Welt. Der kleine Gallier mit dem Flügelhelm hat meine zeichnerische Entwicklung entscheidend beeinflusst. Erste Versuche, in einem ähnlichen Stil zu zeichnen, datieren schon aus dem Jahre ’74. Seit 1983 arbeite ich als freiberuflicher Grafiker, seit ’91 als Illustrator und Comiczeichner. Die bekannte Heftserie Lurchis Abenteuer habe ich 1995 übernommen.

Äußerste Ökonomie der Zeichnung

Portrait von Dietwald Doblies

Von den klassischen Künstlern ist es vor allem Albrecht Dürer, der mich inspiriert. Technisch bedingt musste Dürer in seinen Holzschnitten auf Grautöne verzichten, ähnlich wie sich die ersten Comiczeichner bei ihren Comic-Strips für Tageszeitungen auf ein reines Schwarz-Weiß beschränkt haben. Dieser Mangel an Modulation wird durch die besondere Ausdruckskraft der Linie kompensiert, eine Zeichenkunst, die mich durch ihre Ökonomie begeistert.

Beine wie Lakritzstangen

Portrait von Dietwald Doblies

Neben der ausdrucksstarken Linie ist es vor allem die gewagte Anatomie der Comicfiguren, die mir manches interessante zeichnerische Problem aufgibt. Einer Figur, deren Kopf die halbe Körperlänge ausmacht und deren Extremitäten biegsam wie Lakritzstangen sind, die volle Bandbreite menschlicher Körperhaltungen abzuringen, ist eine echte Herausforderung.
In diesem Punkt schätze ich besonders die Disney-Zeichner mit ihren exzellenten Vereinfachungen.

Quirlige Lebendigkeit

Portrait von Dietwald Doblies

Last, but not least, bestechen Comicfiguren durch ihre quirlige Lebendigkeit und durch ihre Emotionen, die sich unmittelbar auf den Betrachter übertragen. Witzige Charaktere zu entwerfen, der Handlung eine dramatische Wendung geben, den Leser zu rühren und zu packen – das ist für mich das wichtigste Ziel beim Entwerfen eines Comics.

Ein neues Material: Das digitale Nichts

Seit etwa 2000 habe ich neben der Pinsellinie noch ein anderes Steckenpferd: 3D-Computeranimation. Dies ist eine sehr abstrakte Tätigkeit. Nach beinahe mathematischen Prinzipien knetet man aus einem digitalen Nichts Figuren und erweckt sie zum Leben. Mit Stefan Finck zusammen habe ich 2010 in Hamburg das studio F gegründet, um diese Tätigkeit – außer Computeranimation auch Videoproduktion und Webdesign – auszuweiten.

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