Schubel privat – Nachschlag

Schon lange bevor Heinz Schubel Lurchihefte und Bilderbücher zeichnete, hatte er ein privates Betätigungsfeld für sein zeichnerisches Talent entdeckt: Mit witzigen Grußkarten erfreute er seine Familienangehörigen und Bekannten. Einige dieser Arbeiten habe ich hier schon präsentiert. Nun gibt es Nachschlag:

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Der Anlass und das Entstehungsdatum dieser Zeichnung ist nicht mehr zu ergründen. Die Figur taucht sehr ähnlich auch auf einem anderen Blatt auf:

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Auf der Rückseite dieses Blattes befindet sich eine Art Vorstudie zu der Zeichnung (rechts). Vermutlich handelt es sich um eine Person aus dem Familienkreis, die Heinz Schubel zu der kauzigen Figur mit dem Kopfverband inspirierte.

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Eine geschichtsträchtige Zeichnung: Schubel schickt 1942 von der Front eine selbstgezeichnete Grußkarte zur Verlobung eines Vetters. Zur dieser Zeit war er – wie man der Karte entnehmen kann – im Kaukasus stationiert. Wundersam macht sich der Affe auf dem Unterstand aus. Vielleicht träumte der Soldat von südlichen Gefilden oder phantasierte sich in schlimmen Zeiten einen haarigen und lustigen Freund herbei.

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Aus dem gleichen Jahr im Dezember stammt diese Karte zur Hochzeit eines Vetters. Vielleicht ist es der gleiche Vetter, dem Schubel mit der vorigen Zeichnung zur Verlobung gratuliert hatte. Offensichtlich hat Schubel sich eine Verletzung zugezogen, denn die Karte ist im Lazarett entstanden. Trotzdem gab es keinen Heimaturlaub – erfahren wir aus der ersten Strophe des Gedichts.

Ungewöhnlich für eine Hochzeitskarte ist die Hand in den Wolken. Das Motiv stammt von Wilhelm Busch, aus der Knopp-Trilogie. Dort schneidet die Parze dem Herrn Knopp den Lebensfaden durch. Hier werden gleich zwei riesige Ringe auf das Paar herabfallen. Schicksalsringe nennt Schubel die Eheringe und schreibt dazu: „Es ist geschehen, …’s gibt kein zurück!“

Weiter unten zeichnet er, wie er sich die Zukunft des Paares vorstellt. Fünf Kinder traut er ihnen zu. Seltsam ist die Kopfbedeckung des Mannes – in gewisser Weise ebenso unpassend wie der Affe im Kaukasus: Der brave Ehemann im Morgenmantel trägt einen Fez.