6. Lurchi-Sammelband

Lurchis gesammelte Abenteuer setzen sich fort

Im Esslinger-Verlag ist der 6. Lurchi-Sammelband mit den Folgen 97 bis 114 erschienen.

Lurchi mit dem 6. Sammelband von Esslinger

Im 5. Sammelband finden sich noch Lurchihefte der Zeichner Georg Nickel und Peter Krisp im Wechsel. Der 6. Lurchi-Sammelband ist nun wieder einheitlich im Stil: Alle Geschichten stammen von Peter Krisp (Zeichnungen) und Olav Sveistrup (Texte).

Über die alten, von Salamander selbst herausgegebenen Sammelbände, Lurchis gesammelte Abenteuer, siehe den Artikel unter diesem Link.

Im 112. Lurchiheft wird Lurchi als Erwachsener definiert. Seine Schwester Trine, die man sich sicher nicht gerade sehr viel älter als Lurchi vorstellt, hat bereits zwei Kinder. Dies war im 1. Sammelband noch anders konzipiert: Lurchi gebärdet sich zwar teilweise wie ein Erwachsener (trägt einen Hut, fährt Auto etc.), ist aber dennoch ein Kind (geht zur Schule). Hieran habe ich ab dem 115. Lurchiheft angeknüpft: Lurchis Alter bleibt irgendwie undefiniert. Er macht all die Sachen, die nur Erwachsene können oder dürfen, ist aber gewissermaßen doch noch nicht im heiratsfähigem Alter. Somit ist er eine Identifikationsfigur für die Kinder und verkörpert nicht die Elterngeneration – wird also keine Vaterfigur wie in der 112. Folge.

Bonusheft: Lurchi und der Zauberriese

Im 6. Sammelband von Esslinger ist als Bonus (erstmalig in den Sammelbänden) die Folge 108, Lurchi und der Zauberriese, abgebildet. Sie wurde seinerzeit in den alten, von Salamander selbst verlegten Sammelbänden, nicht aufgenommen. Angesichts der Titelseite dieses Lurchihefts, auf der zu sehen ist, wie der Zauberriese Lurchi verspeisen will, verwundert es nicht, dass die Folge in den alten Sammelbänden gestrichen wurde.

Und doch steht die Geschichte in einer langen Tradition: Immer wieder kommen in Sagen und Märchen Riesen und andere Unholde vor, die Menschen (und dafür steht Lurchi ja) fressen. Der Zyklop Polyphem tötet und frisst einige Gefährten des Odysseus. In Sindbads 3. Reise erscheint ein Riese, der Mitreisende von Sindbad grillt. Beide, der Zyklop Polyphem und dieser Riese, werden auf so ähnliche Art und Weise unschädlich gemacht, dass man wohl von einer gemeinsamen Wurzel beider Erzählungen ausgehen darf.

Die Hexe in Grimms Märchen ist zwar keine Riesin, mästet aber Hänsel und Gretel zu keinem anderen Zweck, als sie zu verspeisen. Gleiches hat ein Oger mit den Brüdern des kleinen Däumlings vor (in einem Märchen von Charles Perrault, 1628 – 1703). Und der Riese Gargantua, eine Romanfigur des französischen Schriftstellers Francois Rabelais (1494? – 1553), verspeist um ein Haar einige Pilger, die in seinem Salat stecken und die er für Schnecken – und somit für eine billige Fleischbeilage – hält (siehe Abb. links).

Auch Lurchi ist schon einmal einem Riesen begegnet, der die sechs Freunde gleich auf seinen Speisezettel gesetzt hat. In Lurchis Abenteuer 42 (1968) wagen die Freunde einen „Sprung ins Märchenland“. Hier fängt sie der Schrat der Berge mit seinem Hut. (Schrat= Kobold, Naturgeist, nach einer Ableitung aus dem altnordischen Wort Skratti auch ein Zauberer oder Riese. Der Schrat im Lurchiheft ist ein Riese.) Dieser Schrat namens „Riesenschreck“ lässt keinen Zweifel an seinen Absichten aufkommen: er wetzt sein Messer, während Lurchi und die Freunde im Hut beraten, was nun zu tun ist. (Siehe Abb. rechts. Der Hut ist auch im Lurchimuseum zu besichtigen.) Wie das Abenteuer ausgeht, ist im 3. Sammelband nachzulesen.

Es wäre sicher interessant zu untersuchen, wie solch drastische Erzählungen – die man zuhauf in Märchen findet – auf Kinder wirken. Ich kenne dieses 42. Lurchiheft schon aus meiner Kindheit … und es hat mich überhaupt nicht erschreckt, sondern ich fand dieses Abenteuer besonders spannend. Vielleicht weil mir klar war, dass Lurchi selbstverständlich einen Ausweg aus dieser Situation finden wird. Und natürlich gelingt es den sechs Freunden auch im 6. Sammelband, den Zauberriesen unschädlich zu machen.

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In den Sammelbänden 1 bis 6 sind alle Folgen bis zur Nummer 114 enthalten.

Der 7. Sammelband (erschienen Januar 2012) vereint die Lurchihefte, die ich von 1995 bis 1999 gezeichnet habe (Folge 115 bis 129).