Der Mensch im Lurchiland

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Zum Anfang der Reihe

Eigentlich handelt es sich bei Lurchis Abenteuern um Tierfabeln. Alle menschlichen Rollen sind durch Tiere ersetzt, wie man es schön an einem Bild aus der Folge 49, dem Heft zur Ölkrise, sehen kann.

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Lurchi während der Ölkrise, Folge 49

Doch wie im letzten Beitrag zu lesen ist, kommen gelegentlich auch Menschen im Lurchikosmos vor. Eine Schlüsselszene findet sich in der Folge 3. Dem Jungen, aus Sicht von Lurchi und Hopps ein Riese, bleiben die beiden lieber fern.

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Begegnung mit einem Jungen, Folge 3

Aber offensichtlich lässt sich dieses Verhältnis für die Geschichten nicht richtig nutzbar machen. Bereits im nächsten Heft begegnen sich Mensch und Tier auf einer anderen Ebene. Lurchi schließt Freundschaft mit Indianern und „Eskimos“ (der Text bleibt auch in den neuen Sammelbänden von Esslinger erfrischend politisch inkorrekt) – und wächst dabei über seine natürlichen Proportionen zur Größe eines Kindes heran.

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Menschen in der Folge 4

Sieht man von Begegnungen mit Märchenwesen (Zwergen) ab, hat Lurchi erst wieder in Folge 13 Kontakt mit Menschen. Und die Begegnung wird kurz noch einmal feindselig. Ein Afrikaforscher und sein Diener stecken die rußgeschwärzten Freunde, die sich gerade auf dem schwarzen Kontinent befinden, in einen Käfig (links). Eine ganz ähnliche Szene zeigt übrigens ein Bild aus der sehr viel später entstandenen Folge 46 (rechts).

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Menschen als Bösewichte in Folge 13 und Folge 46

Aber ansonsten bessert sich das Verhältnis zwischen den Tierfiguren und den Menschen zusehends. Nach einem Intermezzo in der Salamander-Schuhfabrik und der Begegnung mit dem Firmenchef Jacob Sigle (Folge 13 und 15), landen die Freunde in Indien – und wieder bei Menschen. Eine Alternative wäre gewesen, die Inder als landestypische Tiere darzustellen. Aber diesen Weg beschreitet Schubel bei keiner seiner Reisegeschichten.

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Lurchi und seine Freunde landen in Indien, Folge 15

Die Größenproportionen bleiben sehr variabel: Bei der Ankunft in Indien am Ende der Folge 15 passen die Freunde in Schuhkartons und können die Qualitätsstrümpfe von Salamander als Schlafsäcke nutzen. Trotzdem scheinen sie nicht so sehr viel winziger als die Inder zu sein. Der Trick liegt darin, dass Schubel die Schuhkartons viel zu groß zeichnet, ohne dass der Betrachter daran Anstoß nimmt. In der Fortsetzung (Folge 16) sieht man dann, dass Lurchi und seine Freunde den Menschen bis zur Brust reichen.

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Lurchi in Indien, Folge 16

Räuber treiben in den Lurchiheften sowohl als Menschen, aber auch als Tierfiguren ihr Unwesen. Die ältere Variante (Tierfiguren in Folge 9) ist natürlich grundsätzlich der Tierfabel gemäßer, die neuere (Menschen in Folge 51) hat ihren Reiz darin, dass Lurchi und seine Freunde mit der für sie fremdartigen Welt der Menschen in Berührung kommen.

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Räuber als Tierfiguren in Folge 9 und als Menschen in Folge 51

Piraten begegnet Lurchi während der Schubel-Ära gleich zweimal (Folge 31 und 51). Auch hier hätten sich ggf. Tierfiguren angeboten: Papageien, Möwen, Robben … Schubel stellt die Piraten jedoch als Menschen dar.

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Piraten in der Folge 51

Sobald die Fabeltiere Berührung mit der sehr realen Welt der Menschen haben, schlägt sich dies auch in der Gestaltung nieder: Die Menschen sind oft eher realistisch dargestellt, wie die beiden Polizisten am Ende der Folge 46. (Ähnlich realistisch zeichnet Schubel die australischen Farmer in Folge 40. Dagegen ist der böse Käpt’n im Käfig in Folge 46 eine typisch karikierte Comic- oder Bilderbuchfigur.)

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Polizisten und ein böser Käpt’n am Ende der Folge 46.

Da Piraten einer weniger „realen“ Welt entstammen, nämlich der Vergangenheit, sind sie zumindest in der Folge 31 auch weniger realistisch gestaltet: stark karikiert und nicht größer als die Tierfiguren. Die Freunde begegnen diesen Piraten quasi auf Augenhöhe.

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Piraten in der Folge 31

Ebenso auf Augenhöhe – also gleichgroß – begegnen die Freunde einem Ritter und seinem Anhang in Folge 50. Natürlich aus dem gleichen Grund: Ritter gehören der Vergangenheit an, bzw. einer Phantasie- und Märchenwelt. Der Besuch auf Burg Wichtelstein (der Name ist natürlich auch ein Hinweis auf die Größe der Burggesellschaft) kommt dabei durchaus überraschend: Eine Folge zuvor musste Lurchi ganz aktuelle Gegenwartsprobleme lösen – die Ölkrise. Öltanks und Transportwagen waren in dieser Folge zu sehen (siehe Bild ganz oben). Ohne dass es einen Hinweis auf eine Zeitreise gibt, steht er nun mit seinen Freunden vor einer mittelalterlichen Burg. In Lurchis Welt existiert alles parallel: Das 20. Jahrhundert, Ritter des 16. Jh und Piraten des 17. Jh.

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Der Besuch auf Burg Wichtelstein, Folge 50

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Menschen kommen in meinen Lurchiheften (ab Folge 115) übrigens nicht vor. Als ich 1995 die Heftserie Lurchis Abenteuer übernahm, wurde beschlossen, dass in den Geschichten künftig nur noch Tierfiguren agieren sollten. Die einzige Ausnahme bildet seither die Wetterfrau, Folge 127.

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Die Wetterfrau, Folge 127

 

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Der Lurchikosmos – zum Beginn der Serie