Die neuen Figuren im Test

Im Jahr 2000 habe ich die neuen Lurchi-Figuren entwickelt. Bevor die Figuren an den Start gehen durften, wurden sie in einer Marktanalyse geprüft. Zuvor hatte Salamander die alten Figuren ebenfalls von Müttern und Kindern testen lassen. Lurchi und seine Freunde wurden mit Wackeldackeln und Spielmannszügen in Verbindung gebracht, was den Anlass gab, das Erscheinungsbild der sechs Freunde zu verändern.

Im ersten Testbild wollen die Freunde einen Fluss überqueren. Der aktive Lurchi schiebt ein Boot ins Wasser, der sportliche Hopps schwimmt kurzerhand. Piping hüpft keck auf den im Wasser liegenden Steinen über den Fluss, Mäusespieps Charakter ist ängstlich angelegt, weshalb er sich im Boot duckt. Igelmann in seiner neuen Rolle als Erfinder denkt an eine Brücke. Der bedächtige Unkerich zieht sich vorsorglich Stiefel an (oder aus).

Die neuen Figuren wurden von den Testpersonen positiv bewertet. Nur mit dem frechen Piping kam man nicht recht klar. Erstaunlicherweise störten sich gerade die befragten Kinder an diesem Verhalten.

Es gab also grünes Licht für das Konzept von Salamanders damaliger Werbeagentur, die mir für die Neuentwürfe Vorgaben gemacht hatte. Dieses Konzept umfasste eine ganze Reihe von Maßnahmen, z.B. auch die Herausgabe der Geschichten in einem neuen Format: als Minibücher. Die Agentur war auch der Meinung, dass die Bewertung Pipings ignoriert werden könne. Und so taucht der Zwerg im ersten Minibuch „Lurchi und ein Geburtstag wie kein anderer“ in seiner Kleinkindrolle auf: im Laufgitter mit Nuckelflasche und laut schreiend. Diese Kleinkindrolle habe ich später verändert, da ich diese Charaktereigenschaften für die Geschichten nicht verwerten konnte.

Im zweiten Testbild treffen die Freunde im Wald auf ein Wildschweinkind, das sich bei einem Sturz die Knie aufgeschrammt hat. Hier sollten die Freunde ihre Hilfsbereitschaft auf unterschiedliche Weise – eben ihrem neuen Charakter gemäß – zeigen. Unkerich z.B. hat Bedenken, dass sie sich dem unbekannten Wildschwein überhaupt nähern.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass auf die Marktanalyse wenig Verlass war: Kaum waren die ersten Minibücher erschienen, hieß es von vielen Seiten, dass die alten Hefte doch „schöner“ waren. Bereits 2002 kehrte Salamander nach nur sieben Minibücher zum bekannten grünen Heft zurück.

Das dritte Testbild zeigt die Freunde beim Bau eines Baumhauses. Erfinder Igelmann hat die Pläne ausgearbeitet. Hopps zeigt, dass er ein Schlingel ist: Er bemüht sich nicht sehr, dem Unkerich die Last abzunehmen.

Interessant an diesen Bildern ist, dass sie bei zwei Figuren nicht das letzte Stadium der Neuentwicklung zeigen. Igelmann trägt noch keine viereckige Brille sondern einen altertümlichen Zwicker. Pipings Mütze hat nur einen ganz kleinen Bommel (hier kehrte ich später gewissermaßen zur alten Form zurück). Ihm fehlt auch noch das schwarze Haarbüschel.

Es gab also mehrere Entwicklungsschritte hin zu den neuen Figuren. Die Varianten und Zwischenentwürfe werde ich 2012 hier in den Lurchi-News präsentieren.

Auf dem letzten Testbild wollen Lurchi und seine Freunde eine Höhle erkunden. Igelmann sorgt für das technische Equipment: Funkgeräte, damit sie unterwegs Kontakt halten können. Der ängstliche Mäusepiep will sich lieber vom Acker machen, wird aber von Unkerich – hier in seiner alten Rolle als Ordnungshüter – ermahnt.