Ein Haus für Lurchi und seine Freunde – Teil 1

Wie bekannt, veränderte sich die Lurchiwelt im Jahr 2000. (Über die Hintergründe siehe diese Artikel: Reime oder Prosatext? und Ein neues Format.)

Ich sollte nun ein Haus entwerfen, von dem aus Lurchi und seine Freunde zu ihren Abenteuern starten konnten – vergleichbar mit der Villa Salamander aus den ganz frühen Heften. (Siehe dazu diesen Artikel: Wo wohnt Lurchi?)

Schließlich zogen Lurchi und seine Freunde dann für die kurze Phase der Minibücher (2000/01) in eine stillgelegte Wassermühle ein:

Doch das war natürlich nicht mein erster Gedanke. Ich möchte hier meine Entwürfe vorstellen, die als Entwicklungsschritte zu diesem neuen Wohnort entstanden.

Der damaligen Werbeagentur von Salamander, die die Modernisierung federführend leitete, war aufgefallen, dass ich in den Lurchiheften 115 bis 119 die Freunde meist zu einer Gruppe zusammenballte – dies natürlich aus Gründen der Bildkomposition. Dabei geht der Einzelne allerdings auch etwas in der Gruppe unter. Nun sollte mehr Rücksicht auf die Individualität der einzelnen Charaktere genommen werden.

Dies versuchte ich, auch beim Entwerfen einer Behausung zu beherzigen. Daher teilte ich jedem Freund ein individuelles Haus zu, das seiner Eigenart entsprechen sollte. Es entstand eine Art Minidorf (unterbewusst stand sicher Asterix Pate), umgeben von einem dunklen Märchenwald.

Wenn ich heute nach vielen Jahren diesen Entwurf betrachte, muss ich feststellen, dass ich Lurchi und seine Freunde den Häusern nicht mehr klar zuordnen kann. Wie ich mir das 2000 gedacht hatte, habe ich vergessen.

Klar ist, dass der neue Unkerich (nunmehr kein Büttel mehr, wie in den alten Heften, sondern ein Kapitän a. D.) im Schlepper wohnt. Hopps vermutlich (als Wassertier) in der Tonne am Bach, Zwerg Piping sicherlich in der Pilzhütte, Mäusepiep im Erdloch. Ich denke, dem Frontmann Lurchi hatte ich das „Landhaus“ reserviert. Dann bliebe für Igelmann der hohle Baum über.

Die Agentur konnte ich mit diesem Entwurf nicht überzeugen. Vielleicht spielte dabei die nicht ganz eindeutige Zuordnung eine Rolle. Allerdings störten sich die Werbeleute auch an der dunklen Waldkulisse. Mit der heimlich unheimlichen Atmosphäre eines Märchenwaldes konnte ich den Grafikern der Agentur also nicht kommen. Deshalb setzte ich zeichnerisch die Axt an, rodete den Wald und zeichnete als neuen Versuch dieses Bild:

Hier schrieb ich glücklicherweise die Namen an die Behausungen, insofern ist diesmal die Zuordnung eindeutig. Die Tonne fand ich so gut, dass ich darauf nicht verzichten wollte. Man sieht, dass ich mir mehrere der Figuren als „Diogenes in der Tonne“ vorstellen konnte – jetzt also Mäusepiep. Lurchi wechselte vom Landhaus in den hohlen Baum, Hopps campierte, passend zu seiner Rolle als Sportler, im Zelt. Piping kam in das Erdloch, das nun entsprechend seines Zwergendaseins zu einem Stollen wurde. Sein amerikanischer Briefkasten verweist auf meine Disney-Wurzeln.

Auffällig ist natürlich die Satellitenschüssel an der Tonne. Von solch moderner Technik wollte die Agentur in Zukunft mehr sehen. An Igelmanns Behausung schlägt sich dies besonders nieder. Igelmann wollte ich nun zu einem Erfinder ausbauen. Er sollte eine ähnliche Rolle bekommen, wie Daniel Düsentrieb in „Donald Duck“, Professor Knox in „Fix und Foxi“ oder Professor Bienlein in „Tim und Struppi“. Ein wenig spielt er diese Rolle heute noch, auch wenn die praktische Arbeit an den Geschichten ergeben hat, dass es in der Lurchiwelt recht wenig für einen Erfinder zu tun gibt.

Doch auch dieser Entwurf überzeugte die Werbeagentur nicht. Sie regte an, lieber über ein gemeinsames Haus für alle sechs Freunde nachzudenken. Wie die Entwürfe dazu aussahen, zeige ich im nächsten Artikel über Lurchis Haus (Teil 2).