Ein Haus für Lurchi und seine Freunde – Teil 2

Fortsetzung der Reihe über die Entwürfe zu Lurchis neuem Haus in den Minibüchern 2000/01. Zum Anfang der Reihe über Lurchis Haus.

Es sollte nun also doch ein Haus für alle sechs Freunde zusammen werden. Ich dachte dabei zunächst an einen hohlen Baum, mit der Besonderheit, dass die „Wohnung“ über drei Stockwerke geht, die durch eine verwinkelte Treppe verbunden sind. Der Zugang sollte in dem Erdloch eines kleinen Hügels liegen, auf dem sich der Baum mit seinen knorrigen Wurzeln festkrallt. Die Treppe führt oben weiter, einen Ast hinauf zu einem im Laub versteckten Beobachtungsposten.

Über einen verschlungenen Pfad ist ein Fluss zu erreichen, auf dem Lurchi und seine Freunde mit Unkerichs Schlepper zu ihren Abenteuern starten können. Zum damaligen neuen Konzept der Werbeagentur gehörte, dass die Freunde nicht mehr so viel in ferne Länder reisen sollten. Aber dies war mir noch nicht klar, als ich den Entwurf zeichnete. Auch nicht, dass das Format der Hefte sich vom bekannten grünen Heft zu dem der Minibücher verändern würde. Für die geringe Höhe der Minibücher eignet sich dieser sehr hochformatige Entwurf natürlich nicht.

Bevor erste Skizzen zur Wassermühle – die es später werden sollte – entstanden, zeichnete ich noch diesen etwas skurrilen Entwurf:

Im Jahr 2000 hatte ich gerade die Filme der Stummfilmzeit für mich als Quelle der Inspiration entdeckt. Auch wenn das langsame Erzähltempo der Stummfilme für unsere heutigen Sehgewohnheiten gewöhnungsbedürftig ist, stecken die Stummfilme teilweise voller erstaunlicher Ideen. Meist ist es die Beleuchtung, die mich begeistert: Oft werden nur wenige Elemente durch grelle Lichter aus einem sonst in sehr dunkle Schatten getauchten Set hervorgehoben.

Der Streifen „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) glänzt jedoch mit einer ganz anderen, innovativen Gestaltung. Den ganzen Film über agieren die Schauspieler in Sets, die wie von expressionistischen Künstlern gemalt aussehen. Alles ist windschief und verwinkelt. Selbst die Türen und Fenster der Kulissen vermeiden den rechten Winkel. Das ist in einem Film sehr verblüffend zu sehen.

Ich gebe jedoch zu, dass die Übernahme dieser schiefen Gestaltung in ein Lurchiheft etwas willkürlich und unmotiviert ist. Man könnte sich höchstens vorstellen, dass Lurchi und seine Freunde nicht mit dem Winkelmaß umgehen können. Dies hätte vielleicht sogar eine recht lustige Geschichte über den Bau der Hütte ergeben.

Jedoch sollte es auch dieses „expressionistische“ Baumhaus nicht werden. Die Entwürfe zur Wassermühle stelle ich im nächsten Artikel vor.