Folge 56 und Enrique Puelma

Die Nachfolgezeichner 2 (1974 – 75)

Nach Lurchis Ausflug in die Flower-Power-Bewegung unter Brigitte Smith (siehe Nachfolgezeichner 1) wollte Salamander seinen „guten alten Lurchi“ wiederhaben. Es sollte sich als sehr schwierig herausstellen, hierfür den geeigneten Illustrator zu finden. Im Juli 1974 erschien Lurchis Abenteuer 56 von einem unbekannten Zeichner … oder einer Zeichnerin. (Seit neuerer Zeit steht hier als Illustratorin der Name Ulrike Tietsch im Raum, ohne dass es meines Wissens nach dafür Belege gibt oder dass über die Trägerin dieses Namens etwas bekannt wäre.)

Die grandiose Leere dieser Landschaft könnte man durchaus als interessanten Einfall werten – wenn da nicht die stark verzeichneten Figuren wären, die das Heft 56 als dilettantisches Machwerk ausweisen.

Salamander begab sich nach diesem Heft, das zeichnerisch natürlich nicht befriedigen konnte, erneut auf die Suche und setzte nun auf einen Profi: Jetzt sollte es der in Deutschland lebende chilenische Künstler Enrique Puelma richten. Puelma hatte sich bis dahin jedoch mehr auf dem Gebiet klassischer Kunstdisziplinen getummelt. Die wenigen Bilder, die ich von ihm gesehen habe, waren Aktzeichnungen und Landschaftsaquarelle. Zu Comic- oder Bilderbuchzeichnungen hatte er offensichtlich keinen Bezug. Seinen Lurchiheften ist deutlich anzusehen, dass ihm jegliches Formenrepertoire für Bildergeschichten fehlt. Man möchte an einen klassisch ausgebildeten Klaviervirtuosen denken, der ohne Vorerfahrung zu einer Jazz-Improvisation herangezogen wird und dabei eine etwas sperrige Tonfolge zu Gehör bringt.

Interessanter als die Zeichnungen ist daher der Blick auf das Thema seines ersten Heftes, der Folge 57: Lurchis Wald ist nicht mehr in Ordnung! Eine Bildvignette zeigt Abfall zwischen Blumen. Im Heft 57 erleben Lurchi und seine Freunde kein Abenteuer, sondern säubern einen Tümpel im Wald vom Müll. Der Feuersalamander ging Ende 1974 zwar künstlerisch auf sehr wackeligen Beinen, schritt thematisch jedoch weiterhin sehr nah am Zeitgeist fort: Die Debatte um das Waldsterben sollte in den nächsten Jahren immer wichtiger werden, das Umweltbewusstsein wachsen.

In älteren Lurchilisten gilt Enrique Puelma als Schöpfer von sieben Lurchiheften. Die heutige Lurchiforschung geht jedoch davon aus, dass schon ab Folge 61 (1976) ein anderer Zeichner am Werke war: Friedrich Johann Nickel, der Vater des späteren Lurchizeichners Georg Nickel.

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