Friedrich Johann Nickel

Die Nachfolgezeichner 3 (1976)

Zum Beginn dieser Reihe: Die Nachfolgezeichner 1

Jahrzehntelang wurden die Hefte 57 – 63 dem Zeichner Enrique Puelma zugeschrieben. Durch eine Aussage des späteren Lurchizeichners Georg Nickel wissen wir nun, dass sein Vater Friedrich Johann Nickel die Folgen 61 – 63 gezeichnet hat.

Wie konnte es überhaupt zu solchen Unklarheiten kommen? Die Ähnlichkeiten der Figuren bei Puelma und Friedrich Johann Nickel sind schon verblüffend:

Folge 59 (1975), Lurchi auf der Hühnerfarm (linkes Bild) von Puelma, und Folge 61 (1976), Zirkus in Not (rechtes Bild), 1. Heft von F. J. Nickel

Der Mäusepiep aus dem Heft 61 gleicht der Zeichnung aus Folge 59 bis aufs i-Tüpfelchen – nur dass die Figur gespiegelt ist. So wundert es nicht, dass man lange diese Folge 61 und die anderen beiden Hefte von Nickel senior als Werke Puelmas angesehen hat.

Deutlich als eigenständiger Künstler tritt uns Friedrich Johann Nickel in der Folge 62 (auch aus dem Jahr 1976) gegenüber. Das Heft, Lurchi in der Urzeit, ist eine Art „10 000 BC“ innerhalb der Lurchigeschichten. Den Vergleich mit einem Film-Blockbuster wähle ich nicht von ungefähr, denn F. J. Nickels Bildkompositionen erinnern an filmische Einstellungen.

Die Zeitmaschine des Doktor Ohm lässt an Maschinen aus Science Fiction-Comics aus den 70er Jahren denken. Originell innerhalb der Lurchiheftreihe ist die Darstellung der Figuren: F. J. Nickel zeichnet sie als winzige schwarze Silhouetten. Originell auch die Darstellung des Zeitsprungs: Um den Übergang zu einer anderen Zeitebene deutlich zu machen, lässt der Zeichner bei den Figuren die schwarzen Konturen weg. So tauchen sie in den aquarellierten Hintergrund ein.

Breitwandkino ist auch diese Bildkomposition (mit dem angeschnittenen Kopf des Mammuts und der Diagonale aus den flüchtenden Figuren). Bei den Figuren vermisst man allerdings sehr den Charme der Schubelcharaktere.

Auch die nächste (und zugleich letzte) Folge von Friedrich Johann Nickel, Heft 63 von 1976, wartet mit filmischen Einstellungen auf, z. B. mit dem aus dem Anschnitt kommenden Flugzeug:

Inhaltlich geht es in diesem Heft, dem für die Sammelbände nachträglich der Titel Rettung der Tiere (aber auch Lurchi baut eine Arche) zugewiesen wurde, deutlich realistischer zu als in den märchenhaften Folgen von Heinz Schubel. Jede Stadt braucht Strom, erfahren wir zu Anfang der Geschichte im Text (von Albert Drexler?). Zur Energiegewinnung bauen Lurchi und seine Freunde einen Staudamm. „Wo der Wald stand, wächst Beton“, lautet eine Zeile und dokumentiert, dass in die Lurchiheftreihe auch jeweils der Geist der Zeit eingeflossen ist. Anschließend müssen die Freunde eine Rettungsaktion für die Tiere starten, deren Land sie unbedacht geflutet haben. Offensichtlich übernehmen vermenschlichte Tiere vom Menschen nicht nur den aufrechten Gang, sondern auch seine Fehler.

Die Rettungsaktion geht in alttestamentarischen Dimensionen vor sich: Lurchi und seine Freunde bauen eine Arche, um die Tiere in ein Naturschutzgebiet umzusiedeln. Mit diesen Szenen, die wiederum etwas an Monumentalfilme erinnern, geht das Intermezzo von Friedrich Johann Nickel in der Serie Lurchis Abenteuer nach nur einem Jahr zu Ende.

Zur Folge 4 über Georg Nickel