Heinz Schubel vor Lurchi – Bock und Beck, Part 1

Mit diesem Artikel beginnt eine Folge von vier Artikeln über das Buch „Bock und Beck, der Klassenschreck“, geschrieben von Julie Kniese, illustriert von Heinz Schubel, dem Zeichner von Lurchi 1953 – 1972.

Das Buch erschien 1940 und ist eine Hommage an Max und Moritz von Wilhelm Busch. Die beiden Protagonisten sind ihren Vorbildern deutlich nachempfunden: Peter Bock gleicht mit dem Haarzipfel Moritz, Jochen Beck durch das schwarze Haar Max.

Titelseite von Bock und Beck, der Klassenschreck, gezeichnet von Heinz Schubel
Bock und Beck – Version in höherer Auflösung

Wie Max und Moritz machen Bock und Beck Streiche, 16 an der Zahl, aufgeteilt in 16 Kapitel. Wie Max und Moritz ist das Buch „Bock und Beck“ gereimt. Hier konnte Schubel lange vor seiner Arbeit an der Heftserie „Lurchis Abenteuer“ erproben, wie man kurze gereimte Episoden in der Art von Wilhelm Busch bebildert. Eine Aufgabe, die er 13 Jahre vor Lurchi mit Bravour erledigt.

Wie Max und Moritz wachsen Bock und Beck scheinbar ohne Eltern auf. Zumindest erscheinen die Eltern – oder das Elternhaus – niemals auf der Bildfläche. Dafür gehen die beiden Buben ganz artig in die Schule. Nur dass sie eine Katze und eine Maus mitnehmen.

Katz und Maus – kein Wunder, dass der Unterricht empfindlich gestört wird. Man beachte die kühn nach unten gebogene Hand des Lehrers. Die geschwungene Linie seines vorgewölbten Körpers, auf den ganz gerade der Kopf aufgesetzt ist – wie ein Korken auf eine Bauchflasche. Sehr schön wird dadurch das pedantische Wesen des Lehrers dargestellt. Heinz Schubel bedient sich hier der zeichnerischen Kurzsprache von Wilhelm Busch.

Am Ende packt der Lehrer Bock und Beck. Eine ausdrucksstarke Rückenfigur, die Schubel hier zu Papier bringt.

Abweichend von Max und Moritz machen Bock und Beck sehr harmlose Streiche. Ihre Vorbilder sägten eine Brücke an und stopften Schießpulver in eine Pfeife. Bock und Beck bemalen im 2. Kapitel lediglich Äpfel, die noch am Baum hängen, mit Grimassen.

Im 3. Kapitel hängen die beiden Buben einem eingeschlafenen Angler einen alten Schuh an den Angelhaken. Ein weiterer harmloser Scherz. Und man gewinnt den Eindruck, dass Schubel den Angler durch die so deutlich platzierte Flasche in der Jackentasche als Alkoholiker charakterisieren will.

Dann bemalen Bock und Beck Bauer Seppels Sau und lassen sie aus dem Schweinestall. Das Schwein läuft in die Stadt und rennt hier ein Fräulein um. Wieder erinnern die sehr freien schnörkeligen Linien, mit denen Heinz Schubel das Kleid und den Unterrock des Fräuleins skizziert, sehr stark an den Spätstil von Wilhelm Busch.

Dieses war der 4. Streich. Über den 5. lesen Sie im nächsten Artikel:
Heinz Schubel: Bock und Beck 2