Heinz Schubel vor Lurchi – Bock und Beck, Part 2

Ich setzte hier die Artikelserie über „Bock und Beck, der Klassenschreck“ fort, ein Buch, das Heinz Schubel illustriert hat, 13 Jahre, bevor ihm die Heftserie Lurchis Abenteuer übertragen wurde. Bock und Beck ist eine „Buschiade“: eine stark an Max und Moritz von Wilhelm Busch angelehnte Geschichte.

Zum Anfang der Bock und Beck Reihe

Das 5. Kapitel heißt „Quiwitt! Quiwitt!“ und bringt wieder einen sehr harmlosen, aber doch sehr überraschenden Streich der beiden Buben Peter Bock und Jochen Beck. Die Anfangsvignette zeigt zwei sehr finster blickende Eulen und aus dem Text erfahren wir, dass Leute bei deren schauerlichen Eulenrufen an den Tod denken müssen.

Bock und Beck ahmen die Eulenrufe um Mitternacht vor dem Haus eines Bäckerehepaars nach. Das Ehepaar schreckt aus dem Schlafe hoch und fragt sich ängstlich, wen von beiden der Tod wohl holen will. Beide leben heute noch, heißt es am Schluss im Text. Die Schlafmütze, die hochstehenden Kissenzipfel, der Blick unter die Nase des Bäckers, alles ist stark dem Bild von Onkel Fritze in seinem Bett nachgeahmt (in Max und Moritz).

Im nächsten Kapitel klauen Bock und Beck die Sachen von drei badenden Mädchen und verteilen sie auf einem Weidenbaum.

Dann kleben sie im 7. Kapitel die Nachricht an die Schultür, dass die Schule ausfällt. Der Lehrer wundert sich, wo die Schüler bleiben.

Auch der 8. Streich beginnt eher harmlos, weitet sich dann aber zu einer sehr makabren Geschichte aus, die dem Vorbild Max und Moritz in Skurrilität nicht nachsteht. Bock und Beck machen die Enten der Witwe Katharina Knauff mit Bier betrunken. Der Alkohol inspiriert die vordere Ente zu einem gewagten Tänzchen. Man kann ihr den Enthusiasmus, in den sie das Bier versetzt, förmlich nachempfinden.

Schließlich fallen die Enten um. Bock und Beck glauben, die Enten sind krepiert und machen sich mit schlechtem Gewissen von dannen. Witwe Knauff, das Duplikat der Witwe Bolte aus Max und Moritz, findet die Enten und meint, sie wären vergiftet. „Ihr ganzes Hoffen, – ach die Not, die sieben Enten – mausetot!!“, reimt Julie Kniese, die Autorin des Buches. Dies ist angelehnt an Witwe Bolte, die angesichts ihrer toten Hühner wie eine Operndiva deklamiert: „Fließet aus dem Aug’ ihr Tränen! All mein Hoffen, all mein Sehnen, meines Lebens schönster Traum hängt an diesem Apfelbaum!“

Schubel gestaltet die Rückenfigur der Witwe Knauff wie die trauernde Witwe Bolte von Wilhelm Busch. Das erste Bild des 2. Streiches wird hier zeichnerisch zitiert: Genau wie Witwe Bolte angesichts ihrer tot auf dem Herd liegenden Hühnern sich mit der Schürze die Augen wischt, macht es auch – in fast identischer Haltung – die Witwe Knauff. Beide sind auch gleichermaßen verlogen in ihrer Trauer. Wollten doch beide genau dies mit ihren Tieren tun, was nun geschehen ist: sie töten.

Entsprechend schnell lässt die Witwe Knauff auch das Trauern sein. Sie denkt „Hin ist hin, vielleicht ist doch noch ein Gewinn, jetzt muss ich retten, was zu retten, das sind die Federn für die Betten …“ und rupft die Enten kurzerhand.

Gerupft – und nun wird es sehr skurril und makaber – erwachen die Enten. Vor Schreck fällt die Witwe in Ohnmacht und die nackten Enten führen eine Art Tänzchen auf: Die sieben „Nackedeis“ watscheln putzmunter um die Witwe herum.

Weiter geht es mit dem Kantor Piezel. Doch dies ist etwas für den nächsten Artikel.

Zu Heinz Schubel, Part 3