Heinz Schubel vor Lurchi – Bock und Beck, Part 3

In diesem Artikel wird Bock und Beck, der Klassenschreck, fortgesetzt, eine Bildergeschichte, die Heinz Schubel dreizehn Jahre vor Beginn der Arbeit an der Heftserie Lurchis Abenteuer gezeichnet hat.

Zum Anfang der Bock und Beck Reihe

Kapitel 9: Bei dem Kantor Piezel in Bock und Beck müssen wir gleich an den Orgel spielenden Lehrer Lämpel in Max und Moritz denken. Schubel segelt wieder hart im Windschatten von Wilhelm Busch.

Im Gegensatz zum dürren Lämpel hat Piezel aber eine barocke Statur. Entsprechend sitzt „ihm der Meister Bach … im Blut“, schreibt die Autorin Julie Kniese im Text. Den vorgewölbten Bauch kennen wir schon vom Lehrer des ersten Kapitels. Nur dass Piezel den Kopf in Ekstase zurückwirft (die typische Wilhelm-Busch-Perspektive – der Blick in die Nasenlöcher) und die Hand wie eine Tatze hebt. Leider ruinieren Bock und Beck seinen Kunstgenuss, da sie Kleber auf die Bank gestrichen haben.

Mit zerfetztem Hosenboden kommt Piezel nach Hause. Zeichnerisch orientierte sich Schubel mehr am späten Busch als an Max und Moritz. Max und Moritz hat Wilhelm Busch noch für den Druck in Holz schneiden lassen, wodurch die Spontaneität der Zeichnungen teilweise verloren geht. Später, ab dem zweiten Teil der Knopp-Triologie (1876), war die Technik soweit, dass man Busch’ Federzeichnungen fotografisch auf die Druckplatten übertragen konnte. An diesem lebendigen Strich orientiert sich Heinz Schubel. Die fliegenden Rockschöße, der schnell skizzierte Hut … die Rückansicht des Kantors sieht aus wie die von Knopp.

Kapitel 10 bringt nicht wesentlich Neues: Wieder klauen Bock und Beck Kleidungsstücke (wie in Kapitel 6). Sie dekorieren damit u.a. eine Brunnenstatue und eine Vogelscheuche. Die Aktion zeigt, was Bock und Beck von Politik halten – denn die Kleidungsstücke gehören den Ratsherren der Stadt.

Dann schicken die Buben einem Polizisten per Post einen Wecker. Der Polizist und seine Frau blamieren sich bös, da sie glauben, dass in dem tickenden Paket eine Bombe ist.

Im 12. Kapitel stören Bock und Beck mit ihren Blasrohren eine Kaffeeklatsch-Runde.

Eine Geschosskugel trifft die Hakennase einer Dame und charakterisiert sie – dort wie eine Warze haftend – als alte Hexe.

Origineller ist das 13. Kapitel, in dem uns Schneidermeister Melle, ein ausgekochter Junggeselle vorgestellt wird, der von Weib und Kind nichts wissen will: ein Piepmatz ist sein Zeitvertreib.

Für ihn formulieren Bock und Beck eine Kontaktanzeige, die sie groß am Haus plakatieren. Gleich kommen jede Menge Frauen, die sich vom sauertöpfischen Charakter des Schneiders auch nicht abschrecken lassen. (Ein Hinweis auf die Männerknappheit zu Beginn des Krieges? Bock und Beck erschien 1940.) Schneider Melle jagt sie alle zur Haustür hinaus.

14. Kapitel: Hier sehen wir die Buben, wie sie in Zitronen beißen. Die krickelige Linie der Augenbrauen lässt uns den unangenehm sauren Geschmack nachempfinden.

Durch ihre verzogene Miene wollen sie ein Blasorchester in Verwirrung bringen. Was auch gelingt: Die Herren des Orchesters sind ganz von Ihrer Musik abgelenkt und können nicht mehr spielen. Man möchte bezweifeln, dass dieser Streich in der Realität gelingen kann. Aber immerhin ist es eine sehr kreative Idee der beiden Buben!

15. Kapitel: Ein ältliches Fräulein drangsaliert ein Dackeltier. Erst bewerfen Bock und Beck den Hund mit Steinen. Dann binden sie ihn – ohne dass die Dame es merkt – los und befestigen einen Strohwisch an der Leine. Der Dackel läuft froh davon. Die Dame zieht den Strohwisch hinter sich her, ohne zu merken, dass es nicht ihr Dackel ist.

Wieder eine sehr schön und locker skizzierte Rückenfigur, die an den späten Wilhelm Busch erinnert und die zeigt, wie souverän Heinz Schubel schon 13 Jahre vor Lurchi die Zeichenfeder beherrscht.

Bock und Beck … wehe euch, denn im nächsten Artikel folgt euer letzter Streich! Weiter zu Heinz Schubel: Bock und Beck – Part 4