Heinz Schubel vor Lurchi – Bock und Beck, Schluss

Fortsetzung der Artikelserie über Heinz Schubel. Zum Anfang der Reihe über Bock und Beck.

Max und Moritz, wehe euch! Jetzt kommt euer letzter Streich! Dieser Vers von Wilhelm Busch liegt einem auf der Zunge, wenn man die Zeichnungen zum letzten Kapitel des Buches Bock und Beck, der Klassenschreck von Heinz Schubel sieht. Denn Schubel lässt hier wieder sehr viel von Max und Moritz anklingen.

Bock und Beck hinter Säcken versteckt – wer fühlt sich dabei nicht an Max und Moritz erinnert, die Löcher in Bauer Meckes Säcke schneiden und sich dann daneben im Korn verstecken? Und Kaufmann Roth, der seinen Laden abschließt, ist ein zeichnerisches Zitat des das Backhaus abschließenden Bäckers aus dem sechsten Streich von Max und Moritz.

Mit solchen bildlichen Zitaten geht es weiter: Bock und Beck landen in einem Fass Sirup, wie Max und Moritz im Brotteig. Wunderschön setzt Heinz Schubel ihre Gesichter um: Ihre Augen sind zu winzigen Schlitzen verengt, ihre Näschen hochgereckt (in Wilhelm-Busch-Manier, – der Blick von unten ins Gesicht – präsentieren sie ihre Nasenlöcher) … groß die schwarzen Löcher der Münder. Ein bildgewordener Schrei! Die bösen Buben sind eben doch nur greinende ängstliche Kinder.

Kaufmann Roth zieht sie aus dem Sirupfass. Man denkt an Max und Moritz, wie sie im vorletzten Streich ganz mit Teig überzogen sind. Die mit schnellen Federstrichen gezeichneten Lecknasen geben die klebrige Konsistenz des Sirups gut wieder.

Bock und Beck werden vom Kaufmann verjagt, von Bienen an- und von der Polizei aufgegriffen, und schließlich schrubben ihre Eltern, die nie ins Bild kommen, sie sauber. Sie landen nicht wie Max und Moritz in der Mühle. Oder besser gesagt: Sie landen in einer ganz anders gearteten Mühle: Am Ende sieht man sie als junge Soldaten (Bock und Beck erschien im Kriegsjahr 1940). Julie Kniese, die Autorin des Buches, reimt dazu: „Der Bock, der Beck, was tun sie jetzt? Sie sind am Westwall eingesetzt. Lausbubenfrechheit wurde Mut. Könnt ruhig sein – die zwei sind gut.“ Dass es zu dieser Ruhe keinen Anlass gab, wissen wir heute.

13 Jahre nach Erscheinen von Bock und Beck, der Klassenschreck erhielt Heinz Schubel den Auftrag, die Heftserie Lurchis Abenteuer zu zeichnen. Später (1964) auch zu texten. Mit Bock und Beck hatte er Erfahrungen im Bereich der Bildergeschichten sammeln können.