Heinz Schubel vor Lurchi – Teil 2: Lust und Freude für kleine Leute

Mit dieser zweiten Folge über Heinz Schubel, dem Zeichner von Lurchi in der 50er und 60er Jahren, machen wir einen Schritt nach vorn und gleichzeitig einen zurück. Im Buch „Lust und Freude für kleine Leute“ (teilweise wieder von Julie Kniese geschrieben) finden wir in den Kurzgeschichten u.a. auch Figuren, die uns schon an Lurchi und seine Freunde denken lassen.

Wenn die Liste der von Heinz Schubel illustrierten Bücher im Katalog „Lurchi – dem Feuersalamander auf der Spur“ chronologisch richtig und vollständig ist, handelt es sich jedoch um das erste der von Schubel bebilderten Bücher, ist also ein älteres Werk als die Zeichnungen zu „Unser Mädel“, die ich im letzten Artikel vorgestellt habe.

Erschienen ist das Buch 1935. Allerhand Trauriges wurde den Kindern damals zugemutet: In der ersten Geschichte finden Kinder eine Igelfamilie und füttern sie mit Milch und Brot zu Tode. Denn Igel ernähren sich vor allem von Kleintieren, erfahren wir als Belehrung am Schuss der Erzählung. Dies setzt Schubel sogleich in einer ganzseitigen Illustration um. Was flüchtig wie ein Spiel aussieht, ist bitterer Ernst. Igelmann und Mäusepiep werden hier in ihrer natürlichen Lebensweise gezeigt: als Fressfeinde.

Doch schon bald treffen wir im Buch auf vermenschlichte Tiere, auch wenn sie noch keine Hosen und Schuhe tragen. Vielmehr dient ein alter Schuh einem Mäusepärchen und einer Eidechse als Haus. Eine Nacktschnecke wird von den Bewohnern dann als Untermieterin aufgenommen.

Als Nebenpersonal finden wir in der Heftserie Lurchis Abenteuer immer wieder Insekten. Ihnen begegnen wir nun auch in der Geschichte „Vom unfolgsamen Bienchen“. Trotz der Warnung der Bienenkönigin kommt eine Biene Abends zu spät nach Hause und findet den Bienenstock verschlossen vor. Glücklicherweise lässt ein freundlicher Krokus sie in seiner Blüte übernachten.

Aus Kostengründen wurden die Buchillustrationen in „Lust und Freude für kleine Leute“ nur einfarbig oder wie hier zweifarbig (schwarz und orange) gedruckt. Nur sechs vollfarbige Illustrationen wurden separat im 4-farb-Druck erstellt und in das Buch eingeklebt: Darunter die Igel (oben), das unheimliche Haus (siehe vorletzten Artikel mit der Ankündigung dieser Heinz Schubel-Reihe) und u.a. eine Oster- sowie eine Weihnachtsillustration.

Dann, mitten im Buch, sehen wir es: ein Pilzhaus! In einem solchen wird später Lurchi mit seinen Eltern wohnen (Folge 35, 1966). Die strohgedeckte „Villa Salamander“ aus der frühen Folge 3 rangierte Schubel still und leise aus. Wie heißt es in einem alten Vers? „Im Pilzhäuschen wohnt der Zwerg und sein Mäuschen.“ Hinweis darauf, dass in einem ausgehöhltem Giftpilz menschenscheue Wesen als Bewohner zu erwarten sind.

In diesem Pilzhaus wohnt eine Hexe, die uns bekannt vorkommen muss. Mit ihren strohigen Haaren ähnelt sie sehr der Hexe aus Lurchis Abenteuer 43 (1968). Auch das weitere Personal dieses Lurchihefts scheint aus Julie Knieses Geschichte inspiriert. Als die Hexe vertrieben ist, kommen Elfen „zwischen den Bäumen daher. Wiegend und tanzend hüpften die Elflein im Reigen.“ Mit einem solchen Elfeneigen endet auch Lurchis Abenteuer 43, eine Folge, die Schubel selbst getextet hat und bei der er sich an seine frühen Buchillustrationen erinnert haben mag.

Hexe aus Lust und Freude für kleine Leute (links) und aus Lurchis Abenteuer, Folge 43

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Heinz Schubel / Teil 1