Heinz Schubel vor Lurchi – Teil 1: Unser Mädel

Die ersten Illustrationen, die ich von Heinz Schubel, dem Lurchi-Zeichner, vorstelle, sind die Bilder zum Buch „Unser Mädel“ von Julie Kniese. (Im Internet findet man die Information, dass Julie Kniese  eine Verwandte von Schubel ist. Dies konnte mir allerdings eine Nichte von Schubel nicht bestätigen: Die Autorin ist weder mit ihr verwandt, noch ihr bekannt.) Jedenfalls hat Heinz Schubel viele Bücher von Julie Kniese mit Illustrationen versehen.

Das Buch ist von 1936, erlebte aber mehrere Neuauflagen, 1961 die sechzehnte. Die Bilder zeigen nichts aus der Welt von Lurchi, keine Kleintiere oder Pilzhäuser. Gleichwohl sieht man an den Illustrationen, dass Schubel seine Kunst aus dem FF beherrscht.

Inhaltlich geht es um ein Mädchen, das in eine reine Jungenklasse kommt. Sie ist wie „der Hecht im Karpfenteich“, so lautet das zweite Kapitel. Die Jungen stehen der Hannelore zunächst sehr ablehnend gegenüber, akzeptieren sie aber bald und nennen sie liebevoll „unser Mädel“. Hannelore führt sich aber auch geschickt ein. Ihre erste Tat ist, die geplatzte Hose eines Mitschülers zu reparieren. Danach verhält unser Mädel sich wie eine wahre Dame: Sie tut so, als wäre nichts gewesen und nimmt der Situation so die Peinlichkeit.

Interessant ist die Bildkomposition der Illustration. Die drei zuschauenden Jungen bilden einen Fächer und fügen sich in die Form eines Dreiecks ein. Zusammen mit dem vierten, helleren Jungen im Hintergrund bilden sie ein Viereck. Eine ganz klassische Bildkomposition, wie man sie sonst aus alten Gemälden kennt. Nun verwundert es nicht mehr, dass Heinz Schubel auch seine Lurchizeichnungen oft nach dem klassischen Schema aufbaut, indem er Lurchi und seine Freunde in eine Gesamtform einfügt, meist mit Lurchi an der Spitze – und ihn durch die Blickrichtung der Figuren noch betont, wie in diesem Beispiel aus der Folge 36 (1966).

Eine andere Illustration aus „Unser Mädel“ zeigt zwei Schüler, die glauben ein Gespenst zu sehen. Sehr schön lässt Schubel aus dem Dunkel des Waldes das Licht der Laterne magisch hervorleuchten, sehr schön führt er den Blick des Betrachters durch die Rückenfiguren auf diesen Punkt hin, in die Tiefe des Bildes.

Solche Lichtwirkungen wird Heinz Schubel später in der Heftserie Lurchis Abenteuer selten, aber sehr gekonnt einsetzen. Hier ein Beispiel aus Lurchis Abenteuer, Folge 19 (1958).

Die nächste Illustration aus „Unser Mädel“ zeigt eine Stadt im Regen. Durch locker hingesetzte, waagerecht verwischte Spiegelungen erzeugt Schubel den Eindruck einer regennassen Straße.

Die letzte der Illustrationen, die ich hier vorstelle, zeigt Schubels humoristisches Talent. Mit knappen Strichen skizziert er einen sehr erstaunt blickenden Lehrer, der durch Blick und Haltung komisch wirkt. Auch hier finden wir übrigens wieder eine klassische Bildkomposition: Die Figuren bilden einen Kreis, der durch die Ofenöffnung geschlossen wird. Auf die vorgebeugte Haltung des Lehrers reagiert das Mädel durch die zurückgebeugte Haltung.

Inhaltlich wird hier gezeigt, wie Hannelore die Sympathien de Jungen für sich gewinnt. Der Weg führt über den Magen. Sie backt für ihre Mitschüler Bratäpfel. Ein sehr überzeugendes Argument, um von den Jungen akzeptiert zu werden.

In der nächsten Folge über Heinz Schubel sehen wir Illustrationen, die etwas mehr auf den Figurenkosmos von Lurchi verweisen: Mäusen, Igeln und Insekten:

Heinz Schubel – Teil 2

Heinz Schubel – Bock und Beck