Lurchi & Co – ein Freundeskreis entsteht Teil 1

In Comics ist immer wieder zu beobachten, dass sich die Hauptfiguren erst formieren müssen. Nebenfiguren werden auf einmal wichtig, andere Figuren verschwinden wieder oder verändern sich. Wie hat sich der Freundeskreis um Lurchi in den frühen Heften von Heinz Schubel (Lurchizeichner von 1953 – 72) gebildet?

Die Lurchihefte 6 bis 9

Wie ich schon ausgeführt habe, ist Lurchis Abenteuer Folge 6 (1953) das erste ganz eigenständige Lurchiheft von Heinz Schubel  – siehe Lurchis abenteuerliche Evolution. (Die Folgen 1 – 5 sind Neuinterpretationen früherer Lurchihefte, die Heinz Schubel immer mal wieder zwischendurch geschaffen hat.)

Im Lurchiheft 6 (Esslinger, Sammelband 1, S. 42 – 47) finden wir den Freundeskreis schon fast vollständig ausgeprägt: Zusammen mit Hopps, Piping, Mäusepiep und Unkerich löscht Lurchi die Pfeife vom „Igelvater“, einem Vorläufer von Igelmann. Vorher nehmen sie im Löschteich noch einen bösen Molch gefangen.

Also hatte Schubel schon am Anfang seine sechs Hauptfiguren in „trockenen Tüchern“? Die nächsten drei Lurchihefte zeigen ein anderes Bild: Mäuse und Igel kommen zwar als Randfiguren immer wieder vor, Unkerich steht oft in der Menge oder fungiert als Ordnungshüter – doch die Abenteuer bestreitet Lurchi mit Hopps alleine.

Besonders auffällig ist Piping. Der Zwerg scheint in Lurchiheft 7 (1953, Essl. Bd. 1, S. 134 – 139) ein Mechaniker zu sein, der Lurchi seine Werkzeuge zur Verfügung stellt. Er trägt eine Schürze, ist deutlich klobiger als Lurchi und gehört offensichtlich einer anderen Generation an. Wäre er mit Lurchi artverwandt, könnte er sein Großvater sein.

Dies wird bereits in Lurchiheft 8 (1953, Essl. Bd. 1, S. 140 – 145) leicht korrigiert. Piping – diesmal als Tankwart – hat etwas abgespeckt und sein Großvatergehabe abgelegt. Nun begegnet er Lurchi auf Augenhöhe. Sein durch den Bart angedeutetes hohes Alter kennzeichnet ihn nicht mehr als zur älteren Generation gehörig aus, sondern ist jetzt einfach eine Zwergeneigenschaft. Auf seiner Tankstelle beschäftigt er eine Maus: Aber dieser Mäusepiep ist hier ein eher unwichtiger Komparse.

Im Lurchiheft 9 (1954, Essl. Bd. 1, S. 148 – 153) muss man auf dem Startbild die Maus mit der Lupe suchen. Allerdings kommt auf der Burg, die Schauplatz dieses Abenteuers ist, eine Maus als Koch vor. Ist es dieselbe Maus? Ist es Mäusepiep? Das bleibt unbestimmt. Unkerich darf wieder als Ordnungshüter walten und einen diebischen Tausendfüßler verhaften.

Doch die Schlussvignette zeigt, wer für Heinz Schubel in diesem seinem vierten eigenständigen Lurchiheft zum engsten Freundeskreis um Lurchi gehört: Hopps und Piping, der immer noch seine Tankwartskluft – keine Zwergenklamotten – trägt.

Die Freunde müssen sich also noch finden. Wie, werden Sie im nächsten Artikel sehen.

Zum nächsten Artikel über Lurchi und seine Freunde.