Lurchi & Co – ein Freundeskreis entsteht Teil 2

Siehe Teil 1

Fortsetzung der Artikelserie über die Herausbildung von Lurchis Freundeskreis. Bis zur Folge 9 gehören nur Hopps und Piping zum engeren Freundeskreis. Nun werden bisherige Randfiguren mit einbezogen.

Die Lurchihefte 10 und 11

Das Lurchiheft 10 (1954, Essl. Bd. 1, S. 156 – 159) zeigt Zuschauer an einem Boxring, die wie eine Auflistung von Lurchis späteren Freundeskreis wirken: Ein Zwerg (obwohl nicht Piping – der steht in seinen Tankwartsklamotten aus Heft 8 und 9 als Ringrichter neben Lurchi), ein Igel, Unkerich, eine Maus und natürlich Frosch Hopps, Lurchis vertrautester Freund in allen diesen frühen Heften.

Dass die Maus (in dieser Folge im Text nicht namentlich genannt) nun doch langsam zum inneren Zirkel gehört, sehen wir beim umblättern. Mäusepiep, hier in roter Hose, mausert sich allmählich zu einem Hauptdarsteller. Nicht mit dabei: Unkerich. Noch ist der Dicke weiterhin eine Randfigur.

Das Schlussbild zeigt die Freunde „après-Ski“:

Mäusepiep nun in grüner Hose. Oder ist die Maus ganz rechts auf den Skiern Mäusepiep, die eine Seite vorher zusammen mit Hopps und einem Igel Lurchi bei der Abfahrt beobachtete? Piping hat sich winterlich angezogen: Karierte Jacke, Schal, … und auf dem Kopf eine Pudelmütze, deren Bommel die Form seiner späteren Zwergenmütze (keine typische Zipfelmütze) bestimmen wird. Zwei Igel füllen die Runde auf – Schubels weiter Weg zu Igelmann. Man hat den Eindruck, dass Mäuse und Igel hier zu den Requisiten gehören, die beliebig häufig im Bild verteilt werden können.

Das Lurchiheft 11 (1955, Essl. Bd. 1, S. 58 – 63) bestreiten Lurchi und Hopps wieder ohne die anderen Figuren. Doch dann wollen sie eine Forelle nicht alleine verspeisen. Und so werden uns am Schluss die restlichen Freunde präsentiert: Sie „kauern mürrisch“ abseits und trauern um die „Vermissten“ (womit Lurchi und Hopps gemeint sind), wie wir aus dem Text erfahren.

Mäusepiep trägt nun eine gelbliche Hose. Damit ist Schubel fast durch den ganzen Farbenkreis gekommen, bevor er zur blauen Hose aus Lurchiheft 6 zurückkehren wird. Piping ist jetzt deutlich als Zwerg angezogen, hat aber noch nicht sein rot-blaues Outfit der späteren Hefte an. Über seiner alten Tankwartskleidung trägt Piping eine Jacke, auf dem Kopf eine Zwergenmütze, der man die Verwandtschaft zur Pudelmütze aus dem vorigen Heft noch ansieht. Der Zipfel muss nur noch kürzer werden: fertig ist Pipings Mütze. Igelmann raucht Pfeife. Ein Anklang an den „Igelvater“ aus Folge 6, Schubels erstem ganz eigenständigen Lurchiheft (nachzulesen im vorigen Artikel).

Unkerich ist nicht mit von der Partie. Er wird kurze Zeit später als „Polizei“ (so der Text im Heft) vorbeischauen, bzw. als Nachtwächter, und singen: „Hört ihr Leute, lasst euch sagen: Ihr müsst Salamander tragen!“ Werbung mit Augenzwinkern.

Dafür gehören zum Freundeskreis in Lurchiheft 11 ein Eichhörnchen, ein Hamster und ein Maulwurf. Es hätte also mit Lurchi und seinen Freunden auch anders weitergehen können. Doch diese drei werden schon in der nächsten Geschichte ausgemustert.

Für Eichhörnchen hat Schubel fürderhin nur als Staffagefiguren Verwendung. Maulwürfe lässt er gern im Rudel auftreten, z. B. als Arbeitsmannschaft in Folge 23 (1961, Essl. Bd. 2, S. 34 – 39). Oft sind sie freche Störenfriede: Sie besetzen Lurchis Burg in Folge 28 (1963, Essl. Bd. 2, S. 50 – 55), behindern das Fußballspiel in Folge 14 (1955, Essl. Bd. 1, S. 50 – 55)  oder nehmen als feindlicher Indianerstamm Unkerich gefangen (Folge 36, 1966, Essl. Bd. 2, S. 114 – 119).

Dies ist verständlich, da Maulwürfe oft genug ein Ärgernis für den Gartenfreund sind. Erstaunlicher ist, dass Schubel auch dem Hamster schon mal die Rolle eines Bösewichts zuteilt, denn Hamster gelten als bei Kindern beliebte Schmusetiere, sind auf jeden Fall viel beliebter als Feuersalamander, Frösche, Feldmäuse und Kröten – die Helden der Lurchihefte.

Dies ist eine Verdrehung der Werte, wie sie in Comics oft vorkommt. Der „Schädling“ wird zum Helden (z. B. die Micky Maus), das beliebte Haustier zum Schurken (Kater Karlo). So sind auch Hamster im Lurchikosmos zu mancher Schandtat bereit. Im frühen Lurchiheft 10, das in diesem Artikel besprochen wurde, und in Schubels letzter Folge 52 (1972, Essl. Bd. 1, S. 50 – 55) begeht jeweils ein Hamster eine sehr unsportliche List.

Mit dem Lurchiheft 11 endet jedenfalls das Experimentieren. Im nächsten Artikel geht es um die Folgen 12 bis 15, in denen Lurchis Freunde in der Form präsentiert werden, die sie bis zum Jahr 2000 beibehalten, wenn auch mit manchen zeichnerischen Sprüngen.

Zum Teil 3 über Lurchi und seine Freunde