Lurchi & Co – ein Freundeskreis entsteht Teil 3

Siehe Teil 1 und Teil 2

Die Folge 11 endet mit einem Freundeskreis, dem auch noch Figuren angehören, die Heinz Schubel anschließend eliminiert hat (Eichhörnchen, Maulwurf, Hamster). Erst im nächsten Heft präsentiert Schubel seine künftige Mannschaft in reiner Form:

Die Lurchihefte 12 bis 15

Im Lurchiheft 12 (1955, Essl. Bd. 1, S. 66 – 71) sind die Freunde erstmalig in der Zusammensetzung und Optik zu sehen, in der sie in Zukunft agieren werden. Es sind neben Lurchi der Frosch Hopps, Zwerg Piping (jetzt nicht mehr als Tankwart gekleidet), Mäusepiep, Igelmann und die Kröte (oder Gelbbauchunke, wohl eine Mischung aus beidem) Unkerich.

Kleinigkeiten werden sich noch ändern: Mäusepiep legt in späteren Heften das rote Halstuch ab, Unkerich wird weniger Faltig – die Figuren bekommen im Laufe der Jahre einen zeichnerischen Feinschliff. Doch das Casting ist vollendet: Schubel hat sein Team zusammen.

Dieselbe Mannschaft bringt er daher gleich am Anfang von Lurchiheft 13 (1955, Essl. Bd. 1, S. 74 – 81). Im Sammelband wurde übrigens der Schluss der Folge zum Anfang der nächsten Geschichte. Dies ist inhaltlich sinnvoll, entspricht aber nicht der alten Folgeneinteilung. Auch in der ersten, später entschärften Version der Folge 13 treten schon die künftigen sechs Hauptfiguren auf:

Sie finden hier beinahe ein jähes Ende in Kannibalenmägen. Doch Lurchi hat natürlich eine rettende Idee. Und in einer späteren Überarbeitung dieser Folge ist von den Kannibalen ohnehin nur der Kochtopf übergeblieben.

Lurchiheft 14, das Fußballheft (1955, Essl. Bd. 1, S. 66 – 71), gibt mir allerdings ein Rätsel auf: Was die Figuren angeht, ist es eine Rückentwicklung. Zwar scheinen alle Hauptfiguren irgendwie präsent zu sein: Unkerich ist Schiedsrichter und in Lurchis Mannschaft spielen außer Hopps und Piping auch drei Mäuse und zwei Igel mit. Jedoch wird der Beginn dieser Folge nur von der alten Kernmannschaft bestritten, wie wir sie vom Ende des Abenteuers im Schloss (Folge 9 – siehe Teil 1) her kennen: Außer Lurchi nur Hopps und Piping, letzterer in seinen Tankwartsklamotten aus den ersten Heften.

Ist es überhaupt denkbar, dass Schubel nach zwei Folgen mit dem „richtigen“ Freundeskreis noch einmal – und zwar nur für ein Lurchiheft – auf das ältere Konzept zurückgreift? Mir erscheint dies sehr unwahrscheinlich. Meine Hypothese ist, dass dieses Fußballheft schon ein Jahr früher entstanden ist (kurz nach der Fußball-WM 1954, bei der Deutschland den Titel holte) und aus irgendeinem Grund verzögert, nämlich erst im Dezember 1955 erschienen ist.

Jedenfalls schließt das Lurchiheft 15 (1956, Essl. Bd. 1, S. 82 – 89, auch hier im Sammelband wieder nicht nach der alten Folgenaufteilung sortiert, sondern mit einem Zwischentitel versehen), nahtlos an der vorletzten Folge an. Schubels neues Dreamteam, erkennbar besonders an Pipings rot-blauer Zwergenkluft, erkundet die Salamanderfabrik, nachdem es aus Afrika zurückgekehrt ist.

Der Texter Erich Kühlewein ließ Folge 15 in der Fabrik spielen, weil Salamander hoffte, dass der Zeichner das Werk zur Inspiration besuchen würde. Denn die Firma hatte bis dahin keinen Kontakt zum Zeichner, den die Druckerei aus Geschäftsgründen vor Salamander geheim hielt. Der Plan ging jedoch nicht auf. Schubel arbeitete nach Fotos, die ihm wohl die Druckerei besorgt hatte. Ein direkter Kontakt zwischen ihm und der Schuhfirma ergab sich erst sehr viel später.

Seine sechs Figuren jedoch, Lurchi, Hopps, Piping, Mäusepiep, Igelmann und Unkerich waren auf Erfolgskurs.