Lurchis Schwester Trine

Ein Nachruf auf Lurchis Schwester

15 Jahre ist es mittlerweile her, dass Lurchis Schwester Trine zuletzt in einem Lurchiheft zu sehen war: In Lurchis Abenteuer, Folge 120 (1996), dem Jubiläumsheft, hat Trine einen kurzen Auftritt (zu sehen im Lurchimuseum).

Junge, junge, wie die Zeit verfliegt.

Und dabei hatte ich ursprünglich gar nicht vor, die Trine so links liegen zu lassen. Aber irgendwie lässt sich Trine schlecht in den Abenteuern unterbringen. Zumindest ist es mir so ergangen. Denn zunächst scheint es mir psychologisch wenig glaubwürdig, dass eine solche Rackerbande (wie Lurchi und seine Freunde es sind) die Schwester des einen in den „erlauchten“ Kreis mit aufnehmen würde. Und dann macht Trine dem Lurchi optisch in seiner Signalfarbigkeit Konkurrenz, während es aus werblicher Sicht wünschenswert ist, dass Lurchi, das verlebendigte Salamanderlogo, als einzigartige Figur alle anderen überstrahlt.

Übrigens war 1995, als ich anfing, von Salamander geplant, ein Froschmädchen in den Freundeskreis zu integrieren. Ein Gedanke, der dann doch nicht verwirklicht wurde, da Hopps und dieses Mädchen zwangsläufig ein Paar innerhalb der Gruppe abgegeben hätten, eine Gruppe in der Gruppe.

Von Sammlern wurde ich mehrfach auf Trine angesprochen. Hier der für die Traditionalisten frustrierende Tatbestand: Lurchis Schwester Trine wird – zumindest in absehbarer Zeit – kein Comeback haben! (Da hilft es auch nicht, wenn Beatleswerner ganz grün im Gesicht wird, Professor Schnurps vor Wut ein Reagenzglas zerbricht und der Zwergpinguin kalte Füße kriegt …)

Im Salamanderteam wird es so gesehen, dass die eigentliche Zielgruppe der Heftreihe Trine gar nicht kennt. Die eigentliche Zielgruppe – das sind die Leser, deren Erinnerungsvermögen nicht vor das Jahr 2005 zurückreicht: denn drei Jahre auf diese Zeitspanne draufgerechnet, entwachsen sie bereits dem Lurchialter und den Schuhen, für die Lurchi Werbung macht.

Es ist also Zeit für uns „Altfans“, sich der Trine in stillem Gedenken zuzuwenden. Auch unter Heinz Schubel, dem Zeichner in den 50er und 60er Jahren, war Trine nicht richtig in die Gruppe integriert, sondern eine Randfigur. 1955 trägt Trine noch ein Schleifchen um den Schwanz und darf als offensichtlich kleine Schwester von Lurchi seinen Heldentaten auf dem Fußballplatz am Schwarzweiß-Fernseher beiwohnen, also fernab vom Geschehen (in der Folge 14).

Beim Indianerspiel in der Folge 36 im Jahr 1966 wird Trine als Squaw zugelassen. Allerdings ist ihr Platz an der Feuerstelle. Von dort weg kidnappt sie ein Fuchs, damit sie an seinem Herd für seinen Magen arbeitet. Selbstverständlich wird sie von den „Männern“ gerettet.

Das Jahr 66 ist ein Erfolgsjahr für Trine. Noch im gleichen Jahr erscheint die Folge 37, in der Heinz Schubel wieder Verwendung für Trine hat. Lurchi und seine Freunde verbringen einige Zeit in einer Almhütte. Unkerich „fensterlt“ an Trines Schlafzimmer und wird durch einen Wasserguss abgewiesen. Er muss dann feststellen, dass er nicht der einzige Platzhirsch vor Ort ist.

Nach dieser Episode in den Alpen gehen die Freunde erst einmal auf Reisen – zunächst nach Japan und dann nach Australien. Trine bleibt zu Haus. Erst beim Karneval in Köln (Folge 41, 1968) ist sie wieder mit von der Partie, diesmal ganz fesch im pinkfarbenen Rock, an dem sie aus Lurchis Boot geangelt wird (siehe Bild ganz oben). Von den Abenteuern im Märchenland, die die Freunde nun die nächsten vier Hefte lang beschäftigen werden, bleibt sie aber wieder ausgeschossen. Auch einen weiteren Abstecher in die Berge (Folge 47, 1969) macht sie nicht mit, obwohl sie sich ja für die Alm als sehr geeignet erwiesen hatte.

Nur noch einmal lässt Schubel sie auftreten: in der Folge 48 (1970), in der sie – zurückgekehrt zum klassisch roten Rock und von den 68ern ganz unberührt – den Freunden die Wäsche macht.

Überraschend ist, dass Trine dabei auch Omas Unterhose gewaschen hat. Und dies, obwohl man in den späten Schubel-Heften den Eindruck gewinnt, dass die Freunde in einer WG, von Eltern und Großeltern unbeaufsichtigt, leben. (Über Lurchis Wohnsituation siehe diesen Artikel.) Aber vermutlich eignete sich Omas Unterhose einfach nur gut für einen Gag.

Auch bei Schubels Nachfolgezeichnern hat Trine noch so manchen Auftritt. Bei Peter Krisp ist sie z.B. in der 112. Folge schon erwachsen und hat zwei Kinder, die wie Klein-Lurchi und Klein-Trine aussehen (nachzulesen im Sammelband 6). Somit – Asche auf mein Haupt – habe ich von allen Zeichnern die Trine am stiefmütterlichsten behandelt.