Der verborgene Engel

Ein Fortsetzungscomic in U-Comix

Im Laufe der letzten Jahre ist nebenbei ein Comic für Erwachsene entstanden, Der verborgene Engel, dem Genre nach am ehesten als Mystery-Thriller einzuordnen.

lucas-cranach-tod-und-teufelDie Protagonisten, Tod und Teufel (oder genauer: Tödlein und Beelzebub) entspringen mittelalterlichen Bildwelten. Ihnen begegnen wir nicht nur im Werk von Albrecht Dürer, speziell im Kupferstich Ritter, Tod und Teufel, sondern z. B. auch auf einer Tafel von Lucas Cranach (siehe Abb.).

Auf mittelalterlichen Gemälden sind Tod und Teufel wahre Schreckgestalten. Ich stellte mir die beiden dagegen recht deprimiert vor, da ihre „Arbeit“ wenig geschätzt wird. Vielleicht haben sie sogar eine Therapie nötig? Am besten beim Erzvater der Psychoanalyse. Und schon waren die „Helden“ meiner Geschichte geboren.

In Der verborgene Engel leben die beiden Gesellen zusammen als WG in einer Metropole der Zukunft, im Jahr 2945. Tödlein ist nicht zuletzt auch ein Selbstportrait von mir: ein Abbild, wie ich mich als Morgenmuffel zu Beginn eines neuen Tages fühle.

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So kommt auch der Humor in dieser Geschichte nicht zu kurz, die ansonsten in düsterem Moll gehalten ist.

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Sie handelt von einer Reise in die Unterwelt. In der ersten Hälfte der Story wird ein komplexes Gewebe aus Handlungsfäden geknüpft, die zweite Hälfte (ab Folge 6) spielt tief unter der Erde und schreitet zu immer phantastischeren Szenen fort. Tödleins Aufgabe ist es, für diese waghalsige Reise ins Erdinnere eine illustre Runde von längst verstorbenen Figuren der Weltgeschichte wiederzubeleben, die Beelzebub bei einer sehr speziellen Mission zur Seite stehen sollen.

Es sind dies der Tiermensch aus dem Gilgamesch-Epos (der darum in Keilschrift spricht), Sigmund Freud, die Spionin Mata Hari, Pizarro, der Eroberer des Inkareiches, Jason, ein Seefahrer aus den Griechischen Sagen, ein Chiffrier-Experte und Professor Lidenbrock, der schon einmal eine Expedition in die Tiefe anführte, in Jules Vernes Roman Reise zum Mittelpunkt der Erde.

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Die Geschichte trägt den Titel Der verborgene Engel, da es auch um eine Skulptur des fünften Posaunenengels aus der Apokalypse geht. Von dieser Skulptur weiß man nur durch eine alte Sage, denn der Baumeister des gotischen Doms der Stadt hat sie in der Kathedrale an verborgener Stelle angebracht. Über dem Engel soll sich laut der Sage ein Zugang zum Abgrund befinden. Der Großmeister eines Geheimbundes sucht im Dom nach dem Engel und somit nach diesem Zugang. Der Leser sieht die Skulptur schon, bevor sie gefunden wird, wird sie aber – hoffentlich – dank der Geschicklichkeit des Baumeisters nicht erkennen.

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Wer sich übrigens in Folge 2 darüber wundert, dass im Treppenhaus zur Wohnung von Tödlein und Beelzebub tote Köpfe, Hände und zwei sich selbst bratende Fische zu sehen sind, der sei auf ein Detail der nächsten Seite verwiesen: Hinter Beelzebub schaut aus einem Grimmschen Märchenbuch das Märchen Der Herr Gevatter heraus (nicht zu verwechseln mit Der Gevatter Tod). Dieses Märchen war die Vorlage für das rätselhafte Treppenhaus. Wer kein Märchenbuch in seinem Regal stehen hat, findet es im Internet.

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Nachzulesen ist die Geschichte Der verborgene Engel, in der alles in die Tiefe strebt, in den neuen U-Comix-Magazinen.

 

Was bringt die letzte Folge?

Die 11. und letzte Folge des 62 Seiten langen Comics ist in U-Comix 193 erschienen. Die Folge ist diesmal nicht wie üblich am Ende des Heftes zu finden, sondern in der Mitte, ab Seite 45.

Damit ist der Comic komplett erschienen: In den U-Comix-Heften 183 bis 193. Während in den ersten fünf Folgen eine komplizierte Vorgeschichte ausgebreitet wurde, damit der Comic sich nicht in banaler Action erschöpft, taucht der Leser ab Folge 6 unter: Mit den Helden der Geschichte dringt er durch Stollen vulkanischen Ursprungs in immer tiefere Tiefen vor.

Beelzebub und Tödlein haben mit ihrer Gruppe das unterirdische Verlies erreicht und die Kerkertür aufgesprengt. Eine ganz unsinnige Aktion, denn der Inhaftierte sollte ohnehin freikommen und hat nun durch die Explosion schlimmen Schaden erlitten. In der 11. und letzten Folge liest er den beiden Gesellen darum kräftig die Leviten.

Der Leser erfährt außerdem das weitere Schicksal der Figuren, die er über so lange Zeit begleitet hat. Visuell ist (hoffentlich) spannend, dass es in dieser Folge einen Zeitsprung gibt. Eine Comicseite ist daher in einem völlig anderen Stil gezeichnet – angepasst an die Epoche, in der es spielt. Ein bekanntes Kunstwerk, das mich zu diesem Comic angeregt hat, beschließt die Geschichte. Und somit entpuppt sich die Story für den Leser nun als Vorgeschichte zu diesem Bild.

 

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