Mission Mars – Lurchi im Weltraum 1

Die Weltraumtrilogie von Heinz Schubel (Zeichnungen) und Erwin Kühlewein (Text) – Episode 1

Das Roboterfahrzeug Curiosity ist auf dem Mars unterwegs. Sicher wird es bald auf die Abdrücke eines Lurchischuhs stoßen: Denn Lurchi hat den roten Planeten schon vor 50 Jahren erkundet!

1961 war der Wettlauf ins All bereits voll im Gange. Der Osten hatte Hunde in den Weltraum geschickt, der Westen Rhesusaffen und einen Schimpansen. Im November ’61 entschied die Mitte, Europa, das Wettrennen für sich: Der Schuhhersteller Salamander brachte einen Feuersalamander auf den Mars: in der Weltraumtrilogie von Lurchis Abenteuer, Folge 24 – 26.

Heinz Schubel, der Zeichner, und Erwin Kühlewein, der Texter, begegneten sich nie. Erstaunlich, dass sie ohne den persönlichen Kontakt so gut zusammenarbeiten konnten. Schubel setzte Kühleweins Reime kongenial in Bilder um.

Ihre Lurchihefte sind von den „Verrücktheiten“ früher Comics, Bildergeschichten und Zeichentrickfilmen geprägt. Dies macht den Charme der Schubel-Ära aus (1952 – 72, Kühlewein bis 1964). Im Bereich der Comics hatten andere Serien diese „Ungezogenheiten“ allerdings bereits längst abgelegt. Man erinnere sich: Im ersten Micky-Maus-Film „Plane Crazy“ (1928) benutzt Micky einen Hund als Gummiband, um den Propeller seines Flugzeugs anzutreiben. In späteren Jahren wäre dies undenkbar – Micky wird zum Musterbürger von Entenhausen. Lurchi ließ sich da bedeutend schwerer domestizieren.

Und seine Freunde erst recht! Hopps startet in der Geschichte die Marsrakete, obwohl die anderen noch gar nicht an Bord sind. „Und dieweil es dort (im All) sehr kalt, / plagt ihn Weltraumschnupfen bald“, textet Kühlewein. Mit einem gewaltigen Niesen sprengt der Frosch die Rakete. Eine irrwitzige Szenenvorgabe, die Heinz Schubel zu diesem Bild inspiriert: eine Zeichnung mit Knalleffekt.

Hazziii: Hopps hat den Weltraumschnupfen

Im luftleeren Raum gerät Hopps in Atemnot.  Auch für seine Rettung hat Kühlewein einen kecken Reim parat: „Lurchi hat für solche Nöte / seine Super-8-Rakete.“ Dieser Vers erstaunt! Denn falls sich dies auf das Schmalfilmformat Super 8 bezieht, war Kühlewein der technischen Entwicklung deutlich voraus. Super 8 wurde von Kodak erst 1964 der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Wie auch immer … jedenfalls startet Lurchi eine zweite Rakete und bringt Hopps ein Sauerstoffgerät. Unbekümmert um die Logik werden Raum und Zeit aufgehoben: Der Frosch leistet wahre Wunder im Atem anhalten! Alles was sich reimen lässt, geht. Später, auf dem Rückflug, werden die Freunde im All ganz ohne Sauerstoff auskommen.

Nachdem die Bahn der Logik erst einmal verlassen wurde, schlägt die Geschichte weiter munter Kapriolen. Lurchi und Hopps werden von den Marsbewohnern gefangen genommen. Zur Besänftigung der Marsmännchen „beamt“ Piping eine Ladung Schuhe quasi per Funk auf den Mars. Lurchi kommt kurz frei und wird danach gleich wieder als Geisel genommen. An dieser Stelle gerät die Geschichte für meinen Geschmack nun doch deutlich ins Schlingern. Zur Freilassung muss Hopps noch mehr Salamanderprodukte von der Erde holen. Jetzt doch wieder mit der Rakete.

Ungereimtheiten in der gereimten Geschichte: Transport der von den Marsianern begehrten Schuhe zunächst „per Funk“ und dann doch wieder konventionell mit der Rakete.

In den Zeichnungen hat Schubel Lurchis zwischenzeitliche Freilassung nicht dargestellt. So wirkt die Bilderfolge weniger widersprüchlich als der Text. Bei der Gestaltung befolgt Schubel aber ein ähnliches Prinzip wie der Texter und folgt den spontanen Eingebungen. Die leichtbekleideten einäugigen Marsianer, besonders die Damen mit den Röckchen, erinnern an Südseeinsulaner. Ihre Gebäude zeigen jedoch eine hochtechnisierte Zivilisation, wie sie in Science-Fiction-Stoffen üblich ist. Mit ihren Rüstungen, die Raumanzügen ähneln, scheinen die Marskrieger fast ein wenig Vorwegnahmen der Soldaten aus „Star Wars“ zu sein.

Zwischen hochtechnisierter Zivilisation und Naturvolk: Funktürme und Marterpfahl

Dass die Marsianer Lurchi an einen Holzpfahl binden – und dies, obwohl der Mars ohne jegliche Flora dargestellt ist – lässt an Indianergeschichten denken. Nach Art früher Bildergeschichten greift Schubel stets zum nächstliegenden visuellen Einfall.

Insgesamt ist die Folge ein Feuerwerk an verrückten Ideen. Man durfte also im November ’61 gespannt sein, wie das Duo Kühlewein / Schubel die Geschichte fortsetzen würde. Und in der Tat hatten die beiden Autoren weitere Überraschungen in petto, als sie im Juli 1962 den zweiten Teil der Trilogie vorlegten. Doch dies ist eine andere Episode …

Zur Episode 2