Piiit Krisp

Peter Krisp, mit dem Künstlernamen Piiit Krisp, zeichnete die Lurchihefte von 1979 bis 1994, anfangs zunächst im Wechsel mit Georg Nickel (weshalb die Folgen 68 bis 96 erhebliche stilistische Sprünge machen), ab 1989 dann alleine, bzw. in Zusammenarbeit mit dem Texter Olav Sveistrup.

Piiit Krisp ist also mein direkter Vorgänger in Sachen Lurchi. Ich begegnete ihm kürzlich zum erstenmal bei einer Lurchiausstellung. Und obwohl wir künstlerisch ganz gegensätzliche Auffassungen haben, haben wir uns sehr angeregt unterhalten.

In Bezug aufs Zeichnen sind wir Antipoden. Dies wurde schon deutlich, als wir einige Skizzen ins Gästebuch der Ausstellung zeichneten. Ich konzentrierte mich auf das Problem, wie ich einen Lurchikopf mangels Radiergummi (also ohne Korrekturmöglichkeit) einigermaßen vernünftig zu Papier bringen kann, Piiit produzierte am laufenden Meter lustige Einfälle mit Käfern. Krisp  kommt von der witzigen Idee zur Zeichnung, ich kämpfe mich durch die feindlichen Linien (im wörtlichen Sinne genommen) hindurch zu – hoffentlich – witzigen Ideen.

Oft wurde Krisp vorgeworfen, dass er Lurchi mehr im Stile von Comics (statt klassischer Bilderbuchillustrationen) gezeichnet hat. Er fühlt sich in diesem Punkt missverstanden, was ich bestätigen würde: Wir sind beide der Meinung, dass meine Arbeiten viel stärker an Comics orientiert sind, als die von Krisp.

Piiit Krisp: Lurchis Abenteuer 92 (1987), Hopps und sein Onkel im Labor

Piiit Krisp schätzt besonders Bildergeschichten wie Petzi und die Schlümpfe, und mag deshalb konsequenter Weise auch mehr den frühen Schubel als den späten. Von daher war er in seinen Lurchiheften um eine einfache, klare Erzählweise wie z.B. bei Petzi bemüht. Ich finde zwar Petzi und die Schlümpfe auch reizvoll: Auf ihre Art sind diese Bildergeschichten genial. „Petzi als König“ war der erste Comic, den ich als Kind entdeckt habe. Lurchi interessierte mich allerdings auch noch, als ich mich über Petzi längst erhaben fühlte (mit ca. 8 Jahren).

Schubels Lurchi ist für mich eine Stufe weiter als Petzi, weniger putzig, dafür abenteuerlicher, magischer. Deshalb habe ich in meinen Heften einen Spagat zwischen den späten Lurchiheften von Schubel und klassischen Fun-Comis (meinem eigenen Stil) angestrebt. Die Orientierung von Krisp war und ist – auf Lurchi bezogen – befremdlich für mich.

Piiit Krisp: Lurchis Abenteuer 71 (1980), Käfer als Sherlock Holmes und als Totengräber

Am besten gefallen mir an Krisps Arbeiten der Mikrokosmos der Insekten, Schnecken und Würmer. Hier gelingen ihm rührende Szenen.

Piiit Krisp: Lurchis Abenteuer 86 (1985), Der Wächter am Turm mit den Siebenmeilenstiefeln

Zum Schmunzeln lädt auch manche Nebenfigur ein, z.B. die Schildkröte mit der Pickelhaube, die etwas muffelig die Siebenmeilenstiefel bewacht. Interessant skurril ist die Zeichnung eines gefesselten Maulwurfs, für mein Empfinden die schönste Lurchi-Titelseite von Piiit Krisp.

Piiit Krisp: Lurchis Abenteuer 76 (1982), Lurchi und der gefesselte Maulwurf

Und eine Geschichte, bei der Lurchi einen Doppelgänger trifft, hätte ich auch gern gemacht. Verdammt, das hat mir Piiit vor der Nase weggeschnappt!

Piiit Krisp: Lurchis Abenteuer 85 (1985), Lurchi und sein Doppelgänger