Ein neues Format schockt die Fans

Traditionsbewusste Lurchifans, die Ende 2000 in einer Salamanderfiliale nach dem neuesten Lurchi-Abenteuer fragten, dürften Bauklötze gestaunt haben, als sie statt des gewohnten grünen Hefts ein neues Format in die Hand gedrückt bekamen: Das neue Heft war handtellergroß und in ihm agierte ein Lurchi, der seinen traditionellen Jägerhut abgelegt hatte.

Die neuen Lurchi-Hefte sollten vom Stil her wie moderne Bilderbüchern aussehen, so der Wunsch von Salamanders damaliger Werbeagentur, die das Konzept für die Modernisierung entwickelt hatte. Statt klarer, kräftiger Farben wählte ich nun teilweise sehr gebrochene Töne und ungewöhnliche Lichtstimmungen.

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Liste der Lurchi-Minibücher der Jahre 2000/01

In der Welt vom 22. September 2000 war über die neuen Lurchi-Hefte zu lesen:

Dieser gnadenlose Fortschritt, der über uns hinwegrollt, der sich um die Tradition und Vergangenheit nicht schert und die wahren Poeten der Bundesrepublik einfach abschafft. Die Helden der frühen Tage, ach sie gehen dahin, auch wenn sie wiederkommen. Die Rede ist von Lurchi und seinen Freunden, die der Schuhhersteller Salamander in dünnen grünen Heften Abenteuer im Wald erleben ließ. Lurchi vereinte Adenauers patriarchalische Züge mit Brantschem Vorwärtsdrang. Die außenpolitische Bescheidenheit der Bundesrepublik spiegelte sich im Vernunftbegriff, den er den Tieren predigte.

Jetzt ist Lurchi zum heißspornigen Teenager mutiert. Die Hefte sind quadratisch, das Grün des Waldes ist verschwunden; im Lurchi-Dorf ist von Natur überhaupt wenig die Rede (wer glaubt heute noch an die Öko-Bewegung?). Dafür werden die Abenteuer jetzt auch als Hörkassette und als CD im Handel vertrieben. Leider sind sogar die oft urkomischen Verse verschwunden. Statt dessen Action-Bilder und kurze Sätze. Trotzig und voll sentimentaler Erinnerung rufen wir: „Lange schallt’s im Walde noch, Lurchi, Lurchi lebe hoch!“

Lurchi ging es also im Winter 2000/2001 entsprechend schlecht. Die Kritik warf ihn nieder: 40 Grad Fieber! Doch schon bald sollte er wieder auf die Füße kommen. Das Konzept wurde überdacht und es dauerte nicht lange, da wurde der Molch in einem grünen Heft (klassisches Format!) wieder auf die Reise in ein fernes Land geschickt – in Lurchis Abenteuer, Folge 8, „Durch die Anden“. (Zur Nummerierung siehe den Artikel, der über diesen Link aufrufbar ist.)

Lurchi ist krank

Insgesamt muss man aber sagen, dass die Zeichnungen der Pixi-Phase besser sind als ihr Ruf. Ich wurde 2000 beauftragt, einen neuen Stil zu entwickeln, der mehr nach Bilderbuch als nach Comic aussehen sollte. Ich entschied mich, die Zeichnungen statt mit Pinsel und Tusche nunmehr nur mit Bleistift zu zeichnen. Hier ein Beispiel, wie die Bilder vor der Colorierung aussahen. Die Lichtstimmung und die Waldkulisse gefallen mir auch heute noch gut.

Zeichnung aus "Lurchi und die Wunschkugel"

Igelmann unterwegs im Wald. Zeichnung aus „Lurchi und die Wunschkugel“.

Nach sieben Heften, von denen die ersten vier und die nächsten drei zeitgleich erschienen, wurde zunächst der Stil in Frage gestellt. Meine neuen Texter Bernhard Lassahn (bekannt durch Texte zu Käpt’n Blaubär) und Peter Menningen waren fleißig gewesen und hatten schon Anfang 2001 vier weitere Geschichten geschrieben. Von daher stimmt es auch nicht, dass – wie ich einmal hörte – die neuen Geschichten aufgrund der Kritik spannender gehalten wurden, als die ersten. Vielmehr standen die Handlungen zu allen elf Geschichten weitestgehend schon fest, als die ersten Zeitungskritiken erschienen.

Die nächsten vier Minibücher (bzw. „Pseudo“-Pixis, denn das Format wurde nach vier Heften leicht verändert) tuschte ich also wieder, was bedeutet, dass ich die vorgezeichneten Linien mit einem ganz feinen Pinsel und schwarzer Tusche nachziehe. Diese vier Geschichten sind dann nicht mehr erschienen, da man sich zwischenzeitlich noch weiter von dem Konzept entfernt hatte. Eine dieser Geschichten, „Mäusepiep und Freitag, der 13“ wurde Dez. 2010 im Sammlerherz veröffentlicht.

Zur Liste der unveröffentlichten Lurchi-Minibücher

Frosch Hopps stürzt ab

Hopps stürzt mit dem selbstgebauten Flugzeug ab. Zeichnung aus einer unveröffentlichten Geschichte.

Lurchi fotografiert das Räuberlager

Lurchi fotografiert das Räuberlager. Zeichnung aus einer unveröffentlichten Geschichte.

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