Verwandtes zu Lurchi

Sammelbilder von Wilhelm Petersen im Vergleich zu Heinz Schubels Lurchi

Wer dieses Sammelbild aus einer alten Serie der Kölln-Haferflocken flüchtig betrachtet, könnte meinen, Hopps und Igelmann vor sich zu haben. Oder vielleicht eher Mecki von der Hörzu? Damit würde er schon richtiger liegen: Denn der Illustrator dieser Sammelbilder ist kein anderer als Wilhelm Petersen (1900 – 1987), der 12 Meckibücher illustrierte.

Der Igel ist jedoch weder Igelmann noch Mecki, sondern Sören Stachelkopp. Diese Sammelbilder der Kölln-Werke gehören zu einem Sammelbilderalbum mit dem Titel Balduin und Gockel, in dem eine Ente und ein Hahn, beides Landstreicher, Abenteuer erleben.

Ich gehe hier auf die Illustrationen von Wilhelm Petersen ein, weil es zwischen diesen Bildern und den frühen Lurchi-Zeichnungen von Heinz Schubel verblüffende Parallelen gibt. Damit soll nicht behauptet werden, dass einer von dem anderen abgezeichnet hat. Vielmehr stammen beide Illustratoren aus einem ähnlichen künstlerischen Umfeld und haben eine ähnliche künstlerische Auffassung, so dass sie teilweise automatisch zu vergleichbaren Ergebnissen kommen.

Bildergeschichten im Deutschland der 50er Jahre sind stark beeinflusst von Bilderbuchillustrationen des 19. Jahrhunderts. Europäische Märchen hatten auch schon Disney inspiriert, z.B. für seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937). Jedoch entfernten sich Disneys Zeichner besonders bei der Darstellung der Zwerge stark von traditionellen Märchenillustrationen, die für Petersen und Schubel richtungsweisend blieben.

Ludwig Richters Märchenillustrationen, Wilhelm Buschs Bildergeschichten und andere Buchillustrationen des 19. Jahrhunderts sind in Werken wie Lurchi und Mecki (und natürlich auch in Balduin und Gockel) präsent.

Wilhelm Petersens Zeichnungen sind uriger und rustikaler als die Zeichnungen von Heinz Schubel. Bei der Darstellung eines Fuchses als Bösewicht liegt der sechs Jahre ältere Petersen vorn: Nach meiner Auffassung ist seine Zeichnung gelungener, z.B. durch die spitzere, interessantere Form der Schnauze. Heinz Schubels Fuchs kommt ein wenig artig und ohne Charakter – wie aus einem Naturkundebuch – rüber. Später wird Schubel jedoch aufholen und sich auch als der modernere Zeichner erweisen. Mit seinen späten Arbeiten schließt Schubel schon ein wenig zu modernen Comics auf. Sein Bösewicht Häuptling „Schlauer Fuchs“ aus Folge 36 von 1966 (zu sehen in diesem Artikel über Trine) zeigt die Eigenart, die ich in der hier abgebildeten frühen Zeichnung von 1953 (siehe oben rechts) noch vermisse.

Mit dem Fuchs als Bösewicht beziehen sich beide Illustratoren übrigens auf ein altes Volksbuch, dem Reineke Fuchs, das schon Goethe für seine Variante dieses Stoffes zur Vorlage diente. Besonders schön wurde Goethes Fassung vom Maler Wilhelm von Kaulbach (1805 – 1874) illustriert (siehe oben).

Balduin und Gockel, das Sammelbilderalbum von Wilhelm Petersen, ist eine äußerst ungewöhnliche Geschichte. Petersen, der auch den Text schrieb, präsentiert zwei Antihelden, zwei Landstreicher, die sich durchs Leben schlagen müssen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich, indem sie ein Ferkel, das ihnen über den Weg gelaufen ist (in einer reizvollen Dreieckskomposition dargestellt, siehe unten links), auf dem Jahrmarkt tanzen lassen. Ihr Weg führt sie durch Höhen und Tiefen, unter anderem auch in den Kerker und wieder heraus.

Balduin und Gockel, das Köllnflocken-Sammelalbum aus dem Jahr 1966 erlebte mindestens 3 Auflagen – die dritte 1974 – und ist antiquarisch noch aufzutreiben (z.B. im Internet).